Wenn sich Stadtviertel im Umbruch befinden, dann treten Konflikte auf, die zu Themen der Streetart werden. So entwickelte sich konsequenterweise auch im Münchner Westend eine aktive Graffiti-Szene.
Wie im letzten Blog Flanieren durch das Westend angekündigt, gibt es weitere Westend-Themen in diesem Blog. Heute einige beeindruckende Graffitis, manche davon in Hauswandgröße.
Wir spielen Cowboy und Indianer (Bergmannstraße 21)
Der amerikanische Künstler und Designer Davey Leavitt zeigt in großformatigen Murals das Schicksal der Ureinwohner Amerikas. Er will Analogien herstellen zwischen Kolonialismus und Gentrifizierung. In das ursprüngliche, im Laufe der Zeit dringend sanierungsbedürftig gewordene Arbeiterviertel Westend zogen zunächst Studenten in die Altbauten, später, nach erfolgter Wiederherstellung, übernahmen die „Betuchten“ das Terrain.




Sozialer Brennpunkt (westendstraße 99)
Der Künstler, der sein Werk bewusst ohne eigene Signatur erstellt (daher NoName), fand bei einem Spaziergang durch das Viertel eine verkohlte Streichholzschachtel. Dies war die Anregung zu einem Graffiti, das er „Sozialer Brennpunkt“ nennt. Beim Anblick vieler sanierter Altbauten und den davor parkenden SUVs, vergisst man allzu schnell die große soziale Diskrepanz im Westend .

KnockKnock (Tulbeckstraße 43)
Der italienische Künstler ERICAILCANE stellt Tiere stellvertretend für Menschen und deren soziale und ethische Aktivitäten dar. Die Ameisen an der Rückseite dieses sozialen Wohnungsbaus leben in ihren Bruthöhlen wie einst die Arbeiter hier im Viertel. Der Specht sieht von Zeit zu Zeit bei ihnen vorbei (daher KnockKnock). Offen bleibt für mich, was der Specht im Mural möchte: Miete? Fleißigen Nachwuchs?

Erinnerung an den Widerstand (Kazmairstraße 65)
Schüler der Grundschule an der Bergmannstraße gestalteten die Außenmauer ihrer Schule an der Kazmairstraße. Ihr Thema: der Widerstand der Gruppe „Die Weiße Rose“ gegen die Nazidiktatur. Dargestellt sind neben Portraits der Gruppenmitglieder (Sophie Scholl u.a.) auch Symbole ihrer ethischen und moralischen Werte (Freiheit, Empathie, Zusammenhalt, Tapferkeit …). Die weißen Post-Its sollen an die Flugblattaktionen der Widerstandsgruppe in den Jahren 1942/43 an der Münchner Universität erinnern.

Ligsalz 8
Das Ligsalz 8 ist ein selbstorganisiertes Wohnprojekt. 2007 erwarben 13 Personen das Mietshaus in der gleichnamigen Straße und verwalten es seither in Eigenregie. In Deutschland existieren inzwischen 191 solcher Projekte unter dem Namen „Miethäuser Syndikat„. Das Prinzip: die Wohnung / das Haus soll denjenigen gehören, die darin wohnen. Von der gesellschaftskritischen Bemalung sieht man im Sommer nur wenig. Haus und Bewohner sind außerdem wohl schon etwas in die Jahre gekommen.




Vermischtes
Bei dem hohen Altbaubestand und den vielen Hinterhöfen verwundert es nicht, daß im Westend zahlreiche einzelne Graffiti zu sehen sind, siehe unten eine kleine Auswahl.
Eine aktuelle Werkschau der Graffiti unter der Donnersberger Brücke (angrenzend zum benachbarten Stadtteil Nymphenburg/Neuhausen) findest du in meinem Blog „Urwald unter der Betonbrücke„.












Hier gibt es weitere Blogs zu München.

nices!! Streifzüge durch München – August 2024