Zu Kopf gestiegen

Das Münchner Oktoberfest naht. Es kommen Besucher aus aller Welt und lassen sich vor der Bavaria fotografieren. Lohnt der Aufstieg? Ich habs ausprobiert und bin ihr zu Kopf gestiegen.

Jetzt lebe ich schon mehr als dreißig Jahre in dieser Stadt und habe es bislang nicht getan: der Bavaria in den Kopf zu steigen. Aber was bietet sich besser an, es endlich zu tun, als diese Blogserie zum Münchner Westend. Die Bavaria und die Ruhmeshalle sind d a s Monument des Stadtviertels. Nach seinem Erschaffer, dem bayrischen Bildhauer Ludwig Michael Schwanthaler (*1802; †1848) ist schließlich der ganze Stadtbezirk benannt. Doch wie kam es zu dieser Kolossalstatue, die heute auf keinem Selfi zum Oktoberfestbesuch fehlen darf?

Der König wollte kein Standbild von sich

Die Idee hatte – selbstredend – der König. Im speziellen Fall Ludwig I (*1786; †1868). Auf dem Hang neben der Theresienwiese sollte eine Ruhmeshalle nach antikem Vorbild entstehen (Ludwig war ein großer Fan antiker Architektur), um die Großen der bayerischen Geschichte und Kunst zu ehren, nicht nur der Altbayern sondern auch der inzwischen dazu gekommenen Franken, Pfälzer und Schwaben. Dazu beauftragte er den Architekten Leo Klenze, der sich beispielsweise schon bei der Befreiungshalle in Kehlheim (siehe Blog: Ein Pantheon im Grünen) bewährt hatte. Ursprünglich wollte Klenze ein Reiterstandbild von Ludwig I. zwischen die Säulengalerie stellen. Doch Ludwig lehnte ab,(zuviel der Ehre), und plädierte für eine Bavaria als eine Verkörperung Bayerns.

Eine bayerische Amazone

Jetzt kommt Ludwig Schwanthaler ins Spiel. Schwanthaler, damals Professor an der Akademie der Bildenden Künste hielt sich mehrere Jahre in Rom auf, wo er wohl genügend Zeit hatte, die dortigen Kolossalstatuen zu studieren. Ludwig I förderte ihn und erteilte ihm schließlich den Auftrag für diese Statue. Herausgekommen ist eine germanisch-bajuwarische Frau mit Faltengewand und Bärenfell. Zu ihren Füßen ein Löwe, in der linken Hand hält sie einen Eichenkranz als Siegeszeichen, in der Rechten ein Schwert. Zum 25. Regierungsjubiläum von Ludwig I. im Jahr 1850 wurde die Statue schließlich enthüllt. Schwanthaler selbst erlebte dies nicht mehr, er verstarb zwei Jahre zuvor.

Nichts für Menschen mit einem Hang zu Klaustrophobie

Wer den Aufstieg in den Kopf der Statue wagen möchte (hier die Öffnungszeiten), sollte frei von Höhenangst und Klaustrophobie und möglichst schlank sein, da es ganz oben sehr eng wird. Es eignen sich für den Besuch auch keine Sommertage mit starker Sonneneinstrahlung, denn das dunkle Metall des 87 Tonnen schweren Stahlkörpers heizt sich „kolossal“ auf. Und der Ausblick von oben? Nur kleine Gucklöcher, also kein Vergleich mit der Freiheitsstatue in New York.

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2 Gedanken zu “Zu Kopf gestiegen

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