CSD: atomisiert, aber wieder sichtbar

Nachdem im vergangenen Jahr alle Präsenz-Veranstaltungen zum Cristopher Street Day (CSD) in München dem Corona-Virus zum Opfer fielen, gibt es in diesem Jahr einige zaghafte Versuche, wieder in die Öffentlichkeit zu gelangen. Viele Veranstaltungen können nur mit Voranmeldung besucht werden und sind lange vorher ausgebucht. Ansonsten gibt es am Samstag in der Fußgängerzone verteilt einzelne Infostände, um die sich Gruppen mit Regenbogenfahnen scharen, oder Einzelpersonen, die sich als Dragqueen unter die Leute mischen, die eigentlich zum Shopping hier sind.

Reykjavik – bunteste Hauptstadt Europas

Vielleicht liegt es an der geografischen Lage im hohen Norden mit den langen Nächten im Winter: Reykjavik hat eindeutig das bunteste Stadtbild aller Hauptstädte Europas. Nicht nur, dass viele Häuser der Altstadt bunt angemalt sind, sondern es finden sich überall überdimensionale Graffity, nicht wild durcheinander, sondern ordentlich, wie es Isländern und ihren ästhetischen Vorstellungen wohl näher kommt. Reykjavik ist eine junge und aktive Stadt, die in den Sommermonaten nicht nur Touristen aus aller Welt anzieht, sondern viele Studenten, die für ein paar Monate hier Jobs in den Restaurants, Bars oder Touristeneinrichtungen finden. Und es ist eine Stadt mit einer sehr vielfältigen Bevölkerung durch Zuwanderung. Man kann hier gut studieren, welche Vorteile ein offenes gesellschaftliches Klima für eine wirtschaftliche Stadtentwicklung bietet – trotz aller klimatischen Erschwernisse.

Eine Trafostation als Kunstobjekt

Als die Münchner Beamten am Ende des 19. Jhd. von der Residenzpflicht befreit wurden, entstand vor den westlichen Toren Münchens eine Gartenstadt, heute bekannt als Villenkolonie I und II. Federführender Architekt, Stadtplaner und Bauunternehmer war damals August Exter (1858 – 1933), von dem auch die Trafostation stammt. Glühbirne war damals in, Gasbeleuchtung out, also mußte ein Trafostation für die elektrische Versorgung der Gartenstadt her.

Münchner Revolutionäre

Nein, nicht der baumumarmende und bienenrettende aktuelle Ministerpräsident ist gemeint, sondern die Revolutionäre der Münchner Räterepublik von 1919. Sie erhielten zum 100. Jahrestag eine moderne Form der Würdigung als Graffiti auf türkis-rosa-orangem Hintergrund. Das haushohe Werk des Künstlers Markus Müller, alias WonABC, befindet sich auf der Vorderseite eines Gebäudes der Stadtwerke München im Stadtteil Giesing und wird sicher länger halten als die damalige Räterepublik.

Ordnung verdrängt das kreative Chaos

(Special Locations in München)

Im September war ich das letzte Mal dort: im Werksviertel, dem aufstrebenden neuen Büro- und Kreativviertel im Münchener Osten (siehe Blog im Archiv). Nur dass die Kreativen sich inzwischen immer seltener an den noch verbliebenen Graffity-Wänden, sondern immer mehr in den chicen neuen Büro- und Arbeitsräumen engagieren (wenn sie nicht gerade im Corona-Lockdown sind).

Neue Graffiti-Kunst im schicken Viertel

(Special Locations in München)

Das Werkviertel am Ostbahnhof in München ist für jeden Graffiti-Freund ein Begriff. Inzwischen schreiten die Bauarbeiten für die neuen Gebäude weiter voran und mancher könnte meinen, das Ende der Graffiti-Kunst auf dem ehemaligen Pfanni-Gelände sei damit besiegelt. Mitnichten. In letzter Zeit sind wieder neue Graffitis entstanden bzw. entstehen dieser Tage neu. Ein Grund mehr, bei schönem Herbstwetter mal wieder hinzugehen. Außerdem gibt es für kurze Zeit dort noch den Oktoberfest-Ersatz #sommerinderstadt mit Fahrgeschäften und Bierausschank.

Musikalisches Einheizen

(Special Locations in München)

Lange Zeit tat sich gar nichts. Gemeint ist das ehemalige Heizkraftwerk in Aubing aus den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts. Inzwischen beginnen die Bauarbeiten. Ein privater Investor (Allguth) will hier eine Eventlocation mit Biergarten, Jazzkonzerten, Galerieräumen etc. errichten. Mut zum Risiko gehört dazu, so etwas in Angriff zu nehmen. Inzwischen sind die Bauarbeiten im Gange. Höchste Zeit noch eine paar Fotos von den Graffitis für die Nachwelt zu machen. Und dann heißt es warten bis Herbst 2022, wenn das Ganze fertig sein soll und das erste Bier zu heißen Jazzklängen gezapft wird.

Streetart auf Papier

Das muca (museum of urban art) in München zeigt noch bis 03.05. unter dem Titel „Time Capsule“ eine beeindruckende Werkschau der amerikanischen Streetart-Künstlerin Caledonia Curry (Künstlername: SWOON). Mit lebensgroßen Linoldrucken und Scherenschnitten zaubert sie eindrückliche Portraits von Personen, die sie auf ihren Reisen durch die Welt kennen lernte. Nach Paris ist München die zweite Station dieser Wanderausstellung und unbedingt sehenswert. Besonders eindrücklich wirken ihre Portraits in Schwarzweiss, wie unten mit meiner Leica Q aufgenommen.