Stachusbrunnen am Karlsplatz

Münchner Wasserspiele (3. Folge)

Mehr als 700 davon soll es in München geben. Bekannte und weniger bekannte. Monumentale und bescheidene. Hier die 3. Folge der Reihe ausgewählter Münchner Wasserspiele.

Eine italienische Oase

Das Wohltuende an Orten der Kunst ist nicht nur die Kunst selbst, sondern das Gefühl der Ruhe, der Nachdenklichkeit, der Langsamkeit, die sich einstellt, sobald man in sie eintritt. Insbesondere gilt dies für ein ganz spezielles Kunstmuseum in München, das Lenbachhaus. Als ehemalige Künstlervilla und Atelier des Malers Franz von Lenbach verfügt sie inmitten der Stadt über einen großen gepflegten Garten mit drei Brunnen, Sitzgelegenheiten und Skulpturen.

Der Garten, gestaltet von Max Kolb (1828-1915), diente, wie auch die gesamte Villa, nach seiner Anlage nicht nur privaten Zwecken sondern auch der öffentlichen Repräsentation des Künstlers. Außer der im italienischen Stil gehaltenen Villa selbst erinnnert auch der mit Seepferdchen geschmückte Schalenbrunnen im vorderen Teil des Gartens an die Fontana dei cavalli marini aus dem Park der Villa Borghese. Wer also mitten in der Stadt München ein Stück Italien geniessen möchte, dem empfehle ich eine Verschnaufpause in diesem Garten. Und mit einer erschwinglichen Jahreskarte fürs Museum kann man beides haben: Kunst und Kontemplation.

Name: Brunnen im Lenbachgarten | Standort: Luisenstraße 33 | Erbaut: 1887-90 | Künstler/Gestalter: Max Kolb (Gartenanlage)

Glänzende Moleküle

Schon eher kann ich mit der Deutung als Gasmolekül bestehend aus einer großen und mehreren kleineren Kugeln etwas anfangen. Denn der ursprüngliche Auftraggeber war die Linde AG, die einige Jahre ihren Konzernsitz hier im Angerhof hatte. Die umgebenden Fassaden spiegeln sich und werden gebrochen in dem polierten Stahl, so dass sie wie Fragmente eines Ganzen erscheinen. So kalt wie die weißen Fassaden wirkt auch die Skulptur selbst auf mich. Ich käme nicht im Entferntesten darauf, die Szene hätte etwas mit menschlichen Beziehungen zu tun. Jetzt im Herbst geben wenigsten die Blätter einen warmen Farbtupfer ab.

Name: Airborne | Standort: Oberanger 33| Erbaut: 2008 | Künstler/Gestalter: Christopher Klein

Die Wasserfälle vom Rindermarkt

Ein Brunnen, der die Stadtgeschichte fortschreiben soll. Wo heute die Wasser über den Tessiner Macchia Gneis fliessen, fand mindestens seit 1430 der Viehmarkt statt. Hier wurden Rinder gehandelt und getränkt. Daher blicken am nördlichen Brunnenrand drei Rinder auf den Platz, während an der gegenüberliegenden Ecke auf der Stützmauer die Steinfigur eines Viehhirten wacht.

Heute dient die Steinmauer Einheimischen wie Touristen als Sitzgelegenheit für eine kurze Rast, abseits der Trubels rund um den Marienplatz. Die nach der Kriegszerstörung im Jahr 1964 errichtete Brunnenanlage ist für mich ein gutes Beispiel für die Verbindung von moderner Stadtgestaltung mit den historischen Wurzeln.

Name: Rindermarktbrunnen | Standort: Rindermarkt | Erbaut: 1964 | Künstler/Gestalter: Josef Henselmann

Plaça Múnich

Wer kennt sie nicht, die Plaça Catalunya in Barcelona? Ja, die ist im Vergleich zum Karlsplatz viel größer und breiter. Aber die Rundbauten um den Karlsplatz in München, den die Einheimischen Stachus nennen, erinnern mich sehr stark an den Platz in Spanien. Wie die Ramblas in Barcelona an der Placa Catalunya ihren Anfang nehmen, beginnt hier an diesem Platz Münchens Fußgängerzone (Neuhauser-/Kaufingerstraße). Sie rangiert auf Platz eins der meistbesuchten Einkaufsmeilen Deutschlands. Jeder, der mit dem Zug in München ankommt, betritt am Stachus-Brunnen vorbei die Münchner Innenstadt.

Die Fußgängerzone und der Brunnen am Stachus wären wohl ohne Olympia 1972 nie so entstanden. Unterhalb des Brunnens liegen vier Untergeschosse und ein S- und U-Bahnknoten. Zum Zeitpunkt seiner Errichtung war es das größte Untergrundbauwerk Europas. An seiner Oberfläche steigt das Wasser aus 199 Düsen und erzeugt so im Sommer eine angenehme Kühle rund um den Platz. Eine weise Vorausschau der damaligen Stadtplaner.

Name: Stachusbrunnen | Standort: Karlsplatz 1 | Erbaut: 1972 | Künstler/Gestalter: Bernhard Winkler

Size Matters

Die beiden Fontänen vor und hinter dem Nymphenburger Schloss bestaunt im Sommer fast jeder München-Tourist. Weniger bekannt ist jedoch, dass die dahinterstehende Technik, drei gusseiserne Pumpenwerke, als die ältesten noch intakten Maschinen Europas gelten. Seit 1803/1808 versehen die vom Ingenieur Josef von Bader entwickelten Maschinen ihren Dienst. Das Pumpenwerk für die große Fontaine im Rondell vor dem Schloß kann im Sommer im Erdgeschoß des Nordflügels besichtigt werden.

Fontänen waren immer schon (männliche) Macht- und Statussymbole. Die Herrschenden wollten zeigen, daß man über die Mittel und Fähigkeiten verfügte, Wasser von weit her zu holen und durch entsprechende ingenieurtechnische Leistung in die Höhe zu schießen. Als Verbindung zwischen Erde und Himmel galt die Fontäne nicht nur als Phallussymbol, sondern auch als Sinnbild der Verbindung des Fürsten zu höheren Mächten. Und selbstverständlich ging es auch darum, den Wettbewerb um die stärkste Fontäne zu gewinnen. Zur Zeit ihrer Erbauung war die Fontäne vor dem Schloß mit 8-10 m Höhe zwar nicht die höchste, aber mit 55 l pro Sekunde die wasserreichste ihrer Zeit.

Name: Fontäne Schloßrondell | Standort: Schloßrondell Neuhausen-Nymphenburg | Erbaut: 1808 | Ingenieur der Pumpenanlage: Josef von Bader

Bislang erschienene Blogs zum Thema „Münchner Wasserspiele“: Folge 1 und Folge 2

Hier findest du weitere Blogs zu München.

3 Gedanken zu “Münchner Wasserspiele (3. Folge)


  1. Lieber Jürgen,
    du hast sie alle gut getroffen aber der Angerhof ist für mich das Highlight. Die Spiegelungen und der Kontrast des gelben Laubes zeigen die bewusste Standortsuche.

Kommentar verfassen