Die Pettenkofer Straße – ein medizinischer Campus mitten in München

Wer östlich der Theresienwiese durch München schlendert, der trifft nicht nur auf prächtige Bürgerhäuser, üblicherweise genutzt von Kanzleien, Versicherungen oder Fondsgesellschaften, sondern auch auf denkmalgeschützte Perlen der Architektur in öffentlichem Besitz: die Pettenkofer Straße – ein medizinischer Campus mitten in München.

Der Namensgeber der Straße, Max von Pettenkofer, (1818 – 1901), Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), war ein Pionier der modernen Hygiene. Daher entstand seit dem 19. Jh. rund um die Pettenkofer Straße der medizinische Campus der LMU.

Eine Sphinx wacht in der Anatomie

Die Anatomische Anstalt der LMU ist ein Schlüsselbau der frühen Moderne in München. Das heute sichtbare Gebäude wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts als „Königliche Anatomie“ errichtet. Es zählt zu den ersten großen Stahlbetonbauten Deutschlands und verbindet Jugendstil mit früher Moderner Sachlichkeit.

Charakteristika des Jugendstil sind unverkennbar, wenn man die Eingangshalle durch die schweren Stahltüren betritt: eine mächtige Sphinx wacht als Symbol der Ewigkeit am Fuß der Treppe. Das Fries über einer Flurtüre zeigt eine Szene aus der griechischen Mythologie zum Thema Schuld und göttliche Bestrafung (Vermutung: Orestes, der seine Mutter getötet hat, wird von zwei weiblichen geflügelten Wesen bedrängt).

Im Obergeschoss des Treppenhauses hängt Rembrandts berühmtes Gemälde über die Zunft der Chirurgen: „Die Anatomie des Dr. Tulp“ (1632) – sicher eine Kopie. Der Arzt Dr. Nicolaes Tulp demonstriert eine Sektion am Arm eines Leichnams. Für den Fotografen lehrreich: die Lichtführung Rembrandts, welche die Augen des Betrachters direkt auf den Leichnam führen. Etwas makaber: die Ruhebank davor.

Übrigens: wer Interesse hat, kann sich die anatomische Schausammlung mit 2000 Exponaten jeden Montag zwischen 11 und 16 Uhr ansehen.

Nüchtern und sachlich: Räume für die Lehre

Gleich gegenüber, unter der Hausnummer 14, steht ein Lehr- und Hörsaalgebäude der LMU, das etwa 40 Jahre nach dem Anatomiegebäude errichtet wurde. Die jetzt renovierte Fassade leuchtet in Gelb und bietet einen starken Farbkontrast zum grauen Gebäude der Anatomie. Die Fensterreihen sind, gemäß dem Baustil der Neuen Sachlichkeit der Nachkriegszeit klar angeordnet. Der Bau reflektiert den Mangel an Materialien und Geld, stellte aber auch eine Abkehr vom schweren Stil der NS-Zeit dar. Man wollte Transparenz und Offenheit zeigen, als Zeichen des demokratischen Neubeginns.

Das Gebäude gehört zur LMU und kann jederzeit innen besichtigt werden. Besonders beeindruckt der Treppenaufgang in der Eingangshalle. Eine gerade Treppe führt zur Fensterfront auf der gegenüberliegenden Seite und teilt sich in der Höhe des 1. Stockwerks in eine linke und eine rechte Galerie, die jeweils zu weiteren Hörsälen führen. Von der Galerie gehen weitere Treppen nach oben. Der Boden im Eingang besteht aus mosaikartig verlegtem Naturstein.

Beide Gebäude passen gut zu meiner Liste der „Münchner Treppen mit Charakter„. Einfach dort mal nachsehen, was es sonst noch an sehenswerten Treppenaufgängen in München gibt.

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