Großer Ahornboden – ein Naturschauspiel

Es hält nur wenige Tage im Jahr an. Die Wahrscheinlichkeit, das Naturschauspiel zu sehen, ist Mitte Oktober am höchsten. Wenn die ersten Bodenfröste auftreten, die Morgennebel aus dem Tal aufsteigen, die Morgensonne über die Berggipfel steigt, dann leuchten die Blätter des Bergahorn goldgelb: der große Ahornboden – ein Naturschauspiel.

Nix für Langschläfer

Es heißt frühmorgens um 4 Uhr aufstehen, wenn man die rund 80 km von München aus zurücklegen muss, um das Engtal zum Sonnenaufgang zu erreichen. Das Engtal im Karwendelgebirge ist eine österreichische Enklave, die man mit dem Auto nur von Deutschland aus erreichen kann. Wer im Oktober um 7 Uhr im Engtal unterwegs ist, genießt die Einsamkeit.

Der große Ahornboden ist ein alte Kulturlandschaft. Zwar kommt der Bergahorn hier oben auf 1200 Metern auch natürlich vor, doch seine Dichte im Tal hat etwas mit der Viehwirtschaft zu tun. Die Ahornbäume wurden von den Sennbauern und -bäuerinnen gepflanzt, um dem Vieh Schutz vor der intensiven UV-Strahlung hier oben zu bieten. Die ältesten Bäumestehen seit rund 600 Jahren dort.

Praktische Tipps für Nachahmer

Wer wie ich fotografisch unterwegs ist, sollte zunächst am Anfang des Parkplatzes Ahornboden parken und zu Fuß ein Stück zurück gehen, um die Ahornbäume in der Talebene zu fotografieren. Beim Blick zurück werden die Berggipfel im Bildhintergrund gerade von der Sonne beschienen.

Anschließend geht es wieder zurück Richtung Talende. Die Sonne steigt allmählich über die Gipfel und lässt die Ahornbäume goldgelb erstrahlen. Zur Belohnung für die ganze Anstrengung kann man sich vor der Rasthütte Eng Alm niederlassen, die Sonne und die Spezialitäten der Almwirtschaft genießen, die hier im Tal produziert werden: Käse und Kaminwurzen. Ein kleiner Dorfladen bietet selbiges auch zum Mitnehmen an. Auf dem Weg zurück begegnet man dann den mehr als zahlreichen Touristen, die es nicht geschafft haben, so früh unterwegs zu sein. Auch eine Form von Glücksgefühl und Stolz, daß man selbst es früh aus dem Bett geschafft hat.

Auf dem Rückweg nehme ich einen jungen Niederländer im Auto mit, da der einzige Bus mal wieder nicht fährt. Mein Fahrgast ist fünf Tage von Insbruck über das Karwendelgebirge bis ins Eng-Tal gewandert. Mit Essen, Schlafsack und Minizelt hat er die Tage in der Bergwelt des Karwendel verbracht. Da kommt bei mir ordentlich Respekt auf.

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9 Gedanken zu “Großer Ahornboden – ein Naturschauspiel


  1. Lieber Jürgen,
    der Ahornboden ist im Herbst natürlich ein ganz besonderer Augenschmaus. Du hast schon mit deiner Beschreibung Appetit gemacht und deine Bilder sind eine Aufforderung wieder einmal hinzufahren.
    Viele Grüße Horst


    1. Lieber Horst, ja sicher. Nur ist es für Auswärtige nicht so einfach, noch dazu mit WoMo. Der nächste Stellplatz ist m.W. bei Lenggries. Im Ahornboden darf man mit WoMo wohl überhaupt nicht über Nacht stehen.
      Liebe Grüße Jürgen


      1. Ja, ich kenn die Ecke. Wenn es dort einen Stellplätz gäbe, wäre das Hochtal noch mehr überlaufen.
        Liebe Grüße Horst


  2. Lieber Jürgen, das frühe Aufstehen liegt mir nicht mehr. Habe alte Fotos, als ich noch fit war und zusammen mit meiner Frau vom Johannestal zum kleinen Ahornboden auf- und dann zum großen abgestiegen bin und als Abschluß im untergehenden Sonnenlicht schöne Aufnahmen machen konnte. Und ja der Bus fuhr auch damals nicht, die restlichen Kilometer bis zum Parkplatz waren in der einbrechenden Dunkelheit schon ätzend.
    Auf jeden Fall eine wunderbare Gegend.
    Liebe Grüße Wilfried


    1. Lieber Wilfried,
      manches geht wohl mit zunehmenden Alter nicht mehr so leicht. Das frühe Aufstehen fällt mir nicht schwer, ich merke es erst am Tag danach, als hätte ich die Nacht durch gemacht 😄. Aber das Lichtspiel hier oben ist schon besonders. Und für unseren nächsten Online-Fototalk habe ich die passende Aufnahme gefunden (Ahorn vor Sonne).
      Liebe Grüße Jürgen


  3. Hallo Jürgen,
    für den Ahornboden hast du ja den perfekten Tag erwischt! Super Blattfärbung und ideales Wetter. Das ist ja gar nicht so einfach, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. 😉Danke für die schönen Fotos.
    Liebe Grüße, Gabi


    1. Hallo Gabi, vielen Dank, freut mich, daß dir die Bilder gefallen. Und du weißt fürs nächste Mal: mitkommen lohnt sich 😉.
      Liebe Grüße Jürgen


  4. Hui, nicht nur der Niederländer hat meinen Respekt, lieber Jürgen!
    Da hast du den inneren Schweinehund gut dressiert, dass er aus der Komfortzone gesprungen ist.
    Es hat sich gelohnt!! Wenn ich die Bilder sehe, berührt es mich, kann ich mir lebhaft vorstellen, wie es dort war. Naja, im Alltag geht um 5 Uhr der Wecker hier, also wäre das nicht das Problem, aber ich wohne auch nicht in München..;-)
    Die Stimmung, die du eingefangen hast ist wirklich allerfeinst!

    Liebe Sonnensonntagsgrüße,
    SyntaxiaSophie


    1. Hallo Syntaxia,
      du kannst es genau nachfühlen. Ich muß gestehen, daß ich um 4 Uhr etwas zweifelte, ob ich mich wirklich auf den Weg machen soll. Eine durchs vergangene Arbeitsleben erworbene Disziplin hat den inneren Schweinehund dann doch besiegt. Und es sind die selbst erschaffenen Glücksgefühle, die aufkommen, wenn man mit einer vollen Speicherkarte wieder nach Hause fährt und dann ermattet aber zufrieden dort wieder ankommt. Vielen Dank für dein Feedback und einen schönen Wochenstart.
      Jürgen

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