Münchner Wasserspiele (Folge 2)

Mehr als 700 davon soll es in München geben. Bekannte und weniger bekannte. Monumentale und bescheidene. Hier die 2. Folge der Reihe ausgewählter Münchner Wasserspiele.

Monumentale Kopien

Ja, ehrlicher Weise muss man sagen, sie sind keine Münchner Originale, die beiden Schalenbrunnen links und rechts der Leopoldstraße vor der Universität. Das Urheberrecht liegt eindeutig in Rom. Dort stehen nämlich die Vorbilder, nach denen Friedrich von Gärtner die Brunnen in München errichtete.

Der von der Antike so begeisterte König Ludwig I ließ sie, finanziert aus „eigener“ Tasche, links und rechts der Prachtstraße installieren.

Die Brunnen waren kaum von der Kriegszerstörung betroffen, jedoch verblasste in den letzten Jahren der hellgrüne Anstrich immer mehr. Ich selbst kannte sie nur mit Patina. Inzwischen wurden die alten Farbschichten abgetragen, so dass die Brunnen wieder in hellem Grün erstrahlen und – am Abend beleuchtet – phantastisch aussehen.

Einer der beiden Brunnen steht auf dem Geschwister-Scholl-Platz. Vor dem Eingang zur Uni erinnert ein Bodendenkmal, an die Flugblatt-Aktion der Geschwister Scholl 1943 . Diese Flugblätter wurden in der Eingangshalle der Uni ausgelegt. Die Geschwister Scholl sowie weitere Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ bezahlten ihre mutige Aktion gegen die Nazis mit ihrem Leben.

Name: Universitätsbrunnen | Standort: Geschwister-Scholl-Platz und Professor-Huber-Platz | Erbaut: 1840-44 | Künstler/Gestalter: Friedrich von Gärtner

Die Geköpfte

Warum ausgerechnet im Innenhof der Sendlinger Straße 29 der abgeschlagene Kopf einer Medusa als Brunnenfigur herhalten muss, weiß ich nicht. Die wenigsten von uns sind wahrscheinlich mit dem griechischen Mythos um Medusa vertraut. Viel mehr Besucher des Hauses werden eher wissen, dass der Medusenkopf im Logo von Versace vorkommt.

Die Geschichte geht so: der Meeresgott Poseidon hatte (im heutigen Sprachgebrauch) nicht-einvernehmlichen Sex mit Medusa und wurde dabei von der Göttin Athene erwischt. Diese verwandelte daraufhin die schöne Medusa in ein Ungeheuer mit Schlangenhaaren. Sie sah so schrecklich aus, dass jeder, der sie erblickte, zu Stein erstarrte. Um die Geschichte abzukürzen: Perseus, Sohn des Göttervaters Zeus, gelang es durch einen Spiegeltrick Medusa zu enthaupten und später den abgeschlagenen Kopf als furchterregende Waffe einzusetzen.

Diesen Mythos sehen manche Bildhauer als Geburtsstunde ihres Handwerks. Ob das bei diesem Werk von Gwiazda/Strobl ebenfalls der Gedanke war, ist mir nicht bekannt. Eindrucksvoll ist das hier präsentierte Medusenhaupt schon. Bei der nächsten Shoppingtour durch die Sendlinger Straße einfach man vorbeischauen.

Name: Gorgonenbrunnen | Standort: Sendlinger Straße 29| Erbaut: 1987 | Künstler/Gestalter: Viktor Gwiazda und Roman Strobl

Der Skandalbrunnen

München gilt als die heimliche Geburtsstadt des Jugendstil. Der hier vorgestellte Brunnen, von den Münchnern liebevoll „Brunnenbuberl“ genannt, steht unweit des Stachus in der Neuhauser Straße und ist eindeutig dem Jugendstil zuzuordnen. Der Satyr-Herme spuckt sein Wasser auf den Buben, der mit seiner Haltung Ablehnung, mit seinem Gesicht jedoch Freude zeigt.

Für den Bildhauer Gasteiger war die Figur, die er 1894 als Beitrag der Münchner Secession in Wien ausstellte, der künstlerische Durchbruch. Mit Ehrungen versehen, schenkte er sie der Stadt München. Dann begann der Skandal: ein nackter Jüngling in aller Öffentlichkeit! Die „Brunnenbuberlaffaire“ nahm ihren Lauf, ein Aufschrei ging durch die Presse, ein Feigenblatt wurde für den Jüngling gefordert. Mit einem Schlag wurde Gasteiger berühmt und erhielt weitere Aufträge.

Name: Brunnenbuberl | Standort: Neuhauser Straße 20 | Erbaut: 1895 | Künstler/Gestalter: Mathias Gasteiger

Der Wasserpilzbrunnen

Sein Erbauer gilt als der Vater der Münchner Fußgängerzone. Bernhard Winkler hat viele Brunnen in München gestaltet. Der bekannteste ist der Brunnen am Stachus. Weniger bekannt, weil ziemlich versteckt, liegt der Wasserglockenbrunnen vor der Münchner Frauenkirche. Zugegeben, wenn das Wetter trübe oder regnerisch daherkommt, verweilt man hier nicht. Umgeben von großen Bäumen, die den Brunnen abschatten, kann es hier recht ungemütlich werden. Die Türme der Frauenkirche fangen den Wind und es pfeift manchmal heftig.

Im Hochsommer, wenn die zugepflasterte Münchner Innenstadt unerträglich heiß zu werden droht, ist der Brunnen allerdings ein idealer Platz zum Verweilen. Auf der Ummauerung aus Naturstein kann man wie in einer Arena Platz nehmen. Das verdunstende Wasser kühlt die Luft ab. Ein Tipp für heiße Tage.

Name: Wasserglockenbrunnen | Standort: Frauenplatz | Erbaut: 1972 | Künstler/Gestalter: Bernhard Winkler

Der nasse Spielplatz

Heiße Tage sind die richtige Zeit, auch den begehbaren Brunnen am Sendlinger Tor mit bis zu vier Meter hohen Fontänen aufzusuchen. Erst recht, wenn keine Scheu besteht, von den herabfallenden Wassern richtig nass zu werden. Allerdings nutzen das nur Kinder und Vierbeiner. Mit fast 19 Metern Durchmesser zählt der Brunnen zu den größten in München.

Nachdem der U-Bahnhof am Sendlinger Tor fertig gestellt ist und die Bauumleitungen wieder entfernt wurden, zeigt sich der Brunnen in seiner vollen Macht. Bei entsprechender Windstärke, können die Fontänen gedrosselt werden, um zu vermeiden, dass die ankommenden Fahrgäste der Straßenbahnen mit einer kalten Dusche begrüßt werden. Errichtet 1972, als noch niemand vom menschengemachten Klimawandel und heißen Innenstädten sprach, eine vorausschauende Investition in die Zukunft – unsere heutige Gegenwart.

Name: Fontaine am Sendlinger Tor | Standort: Sendlinger Tor | Erbaut: 1972, saniert 2012 | Künstler/Gestalter: Heiner Schumann

Die Reihe „Münchner Wasserspiele“ wird fortgesetzt. Bislang erschienen: Folge 1

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5 Gedanken zu “Münchner Wasserspiele (Folge 2)


  1. Wie toll die beleuchteten Brunnen nachts aussehen ! Bei der Medusa bin ich mir nicht sicher, ob es sich nicht um ein modernes Werk meherer Künstler handelt. Seltsam auch, dass es sich in einem Innenhof versteckt.


    1. Hallo Inga, ich habe versucht etwas dazu herauszubekommen, bislang jedoch Fehlanzeige. Der Architekt der das Singlspielerhaus 1987 umbaute, beauftragte wohl das Bildhauerpaar Anne und Roman Strobl eine Marmorkopie des Gorgonenhaupts von Didyma, dem Orakelheiligtum des Apollon in der heutigen Türkei anzufertigen. Über die Beweggründe habe ich nichts heraus gefunden.

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