Münchner Wasserspiele

Mehr als 700 davon soll es in München geben. Bekannte und weniger bekannte. Monumentale und bescheidene. Hier der Beginn einer kleinen Reihe mit der Folge 1 ausgewählter Münchner Wasserspiele.

Das Muskelpaket

Der Brunnen soll die Kraft des Wassers darstellen und so die Fertigstellung der Münchner Wasserversorgung mit Wasser aus dem Mangfalltal würdigen. Unverkennbar drückt er den damaligen Zeitgeist aus, die Glorifizierung der Antike. Der Reiter links mit Stein soll die zerstörerische, die vollbusige Amazone rechts die schöpferische Kraft des Wassers symbolisieren.

Für seinen am Stil der Renaissance orientierten Entwurf wurde dem Bildhauer Adolf Hildebrand überschwängliches Lob von seinen Zeitgenossen zuteil. Für ihn war es die Eintrittskarte in die damalge Münchner Oberschicht (mehr zu Adolf Hildebrand gibts im Blog Münchner Geschichte(n) erforschen). Den durch den Krieg stark zerstörten Brunnen baute sein Schwiegersohn Theodor Georgii Anfang der 50er Jahre wieder auf.

Jetzt im August zieht die Brunnenrückseite mit Kulturbühne und Strandbar allabendlich junge Leute zum Platz. Zu lateinamerikanischen Rhythmen kann barfuß auf dem aufgeschütteten Maximiliansstrand getanzt werden.

Name: Wittelsbacher Brunnen | Standort: Lenbachplatz | Erbaut: 1895 | Künstler/Gestalter: Adolf von Hildebrand, Erwin Kurz

Die Göttliche

Die knapp fünf Meter hohe und 1,7 Tonnen schwere goldfarbene Tänzerin räkelt sich in einem Wasserbecken in die Höhe. Sie steht vor einem riesigen Bürokomplex mit messingfarbenen rechteckigen Fenstereinrahmungen, der Platz für rund 1.300 Arbeitsplätze bietet. Da Büros heute wegen des Marketings einen Namen brauchen, taufte man ihn auf „Nove by Citterio“, Bezug nehmend auf den Mailänder Architekten Citterio.

Wer durch das neu entstandene Arnulfpark-Viertel streift, wird die gewundene Skulptur als willkommene Unterbrechung der modernen Kästchenarchitektur empfinden.

Name: Ballerina Divina | Standort: Lilli Palmerstr. 2 | Erbaut: 2017 | Künstler/Gestalter: Hajo Forster

Der Stuhlkreis

Eigentlich wollte die Bayerische Landesbank aus dem Gebäude an der Brienner Straße ausziehen. Doch der Ukraine-Krieg hat wohl die Pläne durchkreuzt, so jedenfalls die offizielle Begründung, Anlass genug, für die hausinterne Marketing- / Kommunikationsabteilung, den in die Jahre gekommenen Brunnen als Kommunikationsareal fortzuentwickeln. Flotte Sprüche auf den Liegestühlen wie „Hier sonnt sich eine Idee“ soll wohl das moderne Image der Bank widergeben. Wer von den Mitarbeitern hier eine Pause macht, der ruht nicht, nein, dem kommen gerade kreative Ideen.

Name: Glasbrunnen | Standort: Brienner Str. 18 | Erbaut: 1985 | Künstler/Gestalter: Forian Lechner

Das Mauerblümchen

… habe ich durch Zufall entdeckt. Es ist zwar öffentlich zugänglich, aber viele Besucher sind es nicht, die es zu Gesicht bekommen. Der schöne Brunnen steht im Innenhof des Landwirtschaftsministeriums. Aus einem Fruchtstand steigt das Wasser empor und fließt am Blattansatz in ein steinernes Becken zurück.

Im Innenhof des 1938 bis 1940 errichteten Gebäudes, damals Zentralministerium benannt, kam es 1945 zu einer schrecklichen Bluttat. Am 28. und 29. April 1945 wurden hier vier am Aufstand der NS-Widerstandsgruppe „Freiheitsaktion Bayern“ Beteiligte ermordet. Fünf weitere mutmaßliche Mitglieder dieser Gruppe wurden von hier in den Perlacher Forst verschleppt und dort umgebracht. Die Gedenktafel im Hof erinnert an das Verbrechen. Ein Grund mehr, diese Stätte aufzusuchen und beim Betrachten des Brunnens der Widerstandskämpfer zu gedenken.

Name: Blütenkelchbrunnen | Standort: Ludwigstraße 2 | Erbaut: 1961 | Künstler/Gestalter: Ernst Andreas Rauch

Die Welt der maritimen Fabelwesen

Die erste Reihe der Münchner Wasserspiele endet wie sie begann: mit einem Brunnen, der ebenfalls Wittelsbacher Brunnen heißt. Man findet ihn im Innenhof der Residenz. Ursprünglich hatte er für wenige Jahre seinen Platz auf dem Rindermarkt, wo sich damals die herzogliche Residenz befand. Zu dieser Zeit krönte den Brunnen eine Reiterstatue des Herzogs Ferdinand von Bayern. Nach der Verlagerung in den Brunnenhof der Residenz wurde diese durch eine Statue ersetzt. Sie stellt, angelehnt an die mythische Figur des Agilofinger Theodo, Herzog Otto von Wittelsbach dar.

Heute interessanter sind allerdings die verschiedenen Brunnenfiguren. Vom Putto auf der Schildkröte über einen wasserspeienden Ziegenbock bis zu den lasziv sich räkelnden Liegefiguren (die vier bayrischen Flüsse darstellend), schöpfte der Erbauer aus dem vollen Figurensortiment. Die Standfiguren repräsentien die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft.

Name: Wittelsbacher Brunnen | Standort: Brunnenhof Residenz | Erbaut: 1584–1587 (Rindermarkt), 1609–1613 (Verlagerung in die Residenz und Umbau) | Künstler/Gestalter: Friedrich Sustris (vermutlich)

Dies ist die erste Folge der Reihe „Münchner Wasserspiele“. Weiter sind erschienen: Folge 2

Hier findest du weitere Blogs zu München.

2 Gedanken zu “Münchner Wasserspiele


  1. Nun versuche ich erneut einen Kommentar zu hinterlassen. Es gab Probleme.
    Viele schöne Brunnen. Die Idee mit dem Tanz am beleuchteten Brunnen finde ich schön, ein passendes Ambiente.
    Die Göttliche gefällt mir auch, so leicht trotz schwerem Material.
    Die Blume sieht für mich aus wie geöffnete Hände und gefällt mir daher gut.

    Liebe Grüße,
    SyntaxiaSophie


    1. Ja, es lohnt sich, die Dinge näher zu betrachten. Es gibt so viele schöne Ecken hier, wir müssen nur die Augen aufmachen. Liebe Grüße Jürgen

Kommentar verfassen