So urteilten Besucher des Schwabinger Kunstweihnachtsmarkts vor rund 50 Jahren, als die ersten Buden an der Münchner Freiheit aufgebaut wurden: ein Dorf aus Kunst, Licht und ein bisschen Anarchie.
Keine verrückte Idee
Der Schwabinger Weihnachtsmarkt ist bis heute unverwechselbar geblieben. Er hebt sich ab von den übrigen Weihnachtsmärkten mit ihrer Massenware und dem vielerlei Ramsch. Der erste Markt fand 1976 statt. Die Künstler, die damals im Sommer ihre Kunstwerke entlang der Leopoldstraße anboten und im Winter in das unbeheizte „Schweizer Haus“ am Ende der Leopoldstraße auswichen, suchten nach einer Möglichkeit, einen dauerhaften Markt zu errichten.
Sie fanden Unterstützung im ansonsten skeptischen Stadtrat durch Frau Edith von Welser-Ude, der Frau des späteren Oberbürgermeisters. Die Künstler brachten wohl Skizzen und Muster ins Rathaus, um die Ratsherren davon zu überzeugen, dass dieser Markt keine verrückte Idee war. Es folgte eine knappe Entscheidung für den Künstlermarkt.
Viel Improvisation und ein bisschen Anarchie
Am Anfang war alles noch Improvisation. Die Buden „Marke Eigenbau“ standen auf unbefestigtem Boden, weshalb man damals als Besucher bei Regen besser Gummistiefel anzog. Noch heute unterscheiden sich die Buden von den in Serienfertigung hergestellten auf den anderen Weihnachtsmärkten. Inzwischen hat sich einiges in den fast 50 Jahren (nächstes Jahr ist Jubiläum) professionalisiert. Die Elektrik beispielsweise muss heute nicht mehr von den Künstlern selbst aufgebaut werden.
Den Charakter bewahrt
Der riesengroße Unterschied zu den anderen Weihnachtsmärkten ist geblieben: die deutliche Trennung zwischen dem, was auf dem Markt nicht ausgestellt werden darf und dem, was vor allem ausgestellt wird. Die anfängliche Anarchie (wer darf?) ist inzwischen einer klaren Jury gewichen. Sie entscheidet darüber, was auf dem Markt angeboten werden darf. Neuzugänge müssen ein bestimmtes künstlerisches Niveau erreicht haben. Alle ausgestellten Werke müssen aus den Ateliers und Werkstätten der Künstler selbst stammen. Alles Unikate, keine Massenware, kein Handel mit Discountware.
So entsteht jedes Jahr aufs Neue ein Weihnachtsmarkt mit einer für Schwabing typischen, gelassenen Atmosphäre und handgefertigten Werken. Und wie ein anarchisches Dorf inmitten des Verkehrsknotens Münchner Freiheit sieht es immer noch aus.














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