Bald sind es zwanzig Jahre her, als man sich Gedanken machte, was mit dem Areal geschehen soll. Zeit für eine fotografische Bilanz. Vom Befestigungsturm zum Quartier: das Schwabinger Tor.
Das Verschwinden einer Landmarke
Ein verschließbares Tor als Teil einer Stadtmauer findet hier am Standort zum ersten Mal vor 700 Jahren Erwähnung. Es sicherte den Zugang von einem Dorf namens Schwabing nach München. Vor rund 200 Jahren kamen die Stadtmauern aus der Mode und so fiel auch das Schwabinger Tor der neu entstehenden Achse Ludwigstraße – Odeonsplatz zum Opfer. Damit verschwand eine wichtige Landmarke. Das Areal bot in seinem östlichen Teil Platz für den Güterbahnhof München-Schwabing und später allerlei Handelsgeschäfte wie z.B. einem großen Metro-Markt und dem Hotel Holiday Inn.
Das Konzept: üblicher Drittelmix
Im Jahr 2007 entschied sich der Münchner Stadtrat für die mehr als 40 Tsd. Quadratmeter Fläche entlang der Leopoldstraße eínen Ideenwetbewerb für die künftige Nutzung auszuschreiben. Herausgekommen ist eine Mischnutzung von Büro, Gewerbe und Wohnen zu je einem Drittel. Zehn Jahre später stand der wesentliche Teil der Gebäude. Und so sieht das Ergebnis heute aus (s. Fotos unten).
Ist das noch Schwabing?
Wie man es nimmt. Das Schwabing der Bohème ist es insofern, als die Mieten hier (abgesehen von ein paar Wohnungen mit Sozialbindung) sich in oberen Münchner Preisregionen tummeln. Von „Reichenghetto“ bzw. mangelnder Durchmischung ist gar die Rede. Der abgedeckte Porsche in der Freiluftgarage ist wohl ein Indiz dafür. Das Schwabing des Ausgehens, der Treffs in Bars und Kneipen ist woanders. Zwar sind einige architektonische Highlights zu sehen, aber wenig Leben. Und eine Rooftop-Bar oben auf dem Hotelgebäude ist kein Ersatz für Orte der Begegnung am Boden. Trotz des Sonnenscheins hat es mich beim Gang durch die Häuserfronten gefröstelt.













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Lieber Jürgen,
natürlich ist das nicht mehr das „Schwabing“. Doch der Wandel lässt sich nicht aufhalten. Ob es ein Fortschritt ist, wird sich zeigen müssen und liegt wie so oft im Auge des Betrachters.
Liebe Grüße Horst
Lieber Horst,
ja, manche mögen diese Art des Wohnens. Soziale Kontakte sind hier allerdings schwer herzustellen. Jeder lebt für sich allein in seiner (komfortablen) Nussschale.
Liebe Grüße Jürgen
Da hast du völlig recht.
Da kann man auch kaum Menschen sehen, weil die alle viel arbeiten müssen, um dort zu wohnen. Daher ist wohl auch der Porsche abgedeckt, weil der Besitzer nicht dazu kommt ihn zu fahren. In der Stadt damit herumzupendeln, wäre auch keine gute Idee.
Für mich wirken solche Gebäude in jeder Stadt gleich kalt. Der verbliebene Rest Grün wird in Mauern verbannt. Auch ich denke, dass sich dort keine Kontakte ergeben. Das ist ein gefährlicher Trend. Die Architekten probieren / toben sich aus.
Liebe Grüße,
SyntaxiaSophie
Wenn ich durch solche Art Neubauviertel laufe habe ich das Gefühl mich durch vergrößerte Architekten-Modelle auf dem Reißbrett zu bewegen. Dass es auch anders geht, sieht man auf der anderen Seite der Leopoldstraße gegenüber. Auch dort ein Neubauviertel, aber mit Einkaufsmöglichkeiten, Kinderspielplätzen und mehr.
Liebe Grüße Jürgen