Farbenfroh die dunkle Zeit überstehen

Wer nördlich des Polarkreises unterwegs ist, dem fallen die vielen farbenfrohen Häuser auf. Ein Zusammenhang mit den geringeren Tageslichtstunden ist nicht zu übersehen: Farbenfroh die dunkle Zeit überstehen.

Dies ist der erste Teil einer Blogreihe über meine Winterreise zu den Lofoten im Februar 2026.

Auf der Fahrt vom Flughafen ins Quartier fallen sie mir sofort ins Auge. Rote, gelbe und blaue Häuser in traditioneller Holzbauweise oder verkleidet mit Wellblech liegen wie zufällig hingeworfen in der verschneiten Berglandschaft. Doch auch in den größeren Orten wie Leknes und Svolvær sind mehrstöckige Neubauten mit farbigen Fassaden verkleidet.

Farbenfrohe, nordische Architektur

Die Sonne steht in dieser Region selbst im Sommer nur relativ flach über dem Horizont. Das führt zu einem flachen, seitlichen Licht mit langen Schatten. Im Winter ergibt sich durch den Schnee, gepaart mit dunklen Felsen, ein hoher Kontrast. Die Luft ist rein und klar; dafür sorgt der permanente Wetterwechsel.

Die Architektur reagiert auf das Licht und die Umgebung mit hellen, reflektierenden Fassaden, klaren Farbfeldern und reduzierten Formen. Die Farbe ist hier nicht nur Dekoration, sondern hat eine Funktion: Sie kontrastiert gegen Grau, Schnee und Fels. Viele Einwohner stellen Leuchter in die Fenster ihrer Häuser und beleuchten diese auch außen, um insbesondere von Anfang Dezember bis Anfang Januar, wo die Sonne den Horizont nicht mehr erreicht, sichtbar zu sein.

Farbe als emotionaler Gegenpol

Die Farben sind klar definiert: es überwiegt das Rot aus Eisenoxid, gewonnen in der Kupfermine Falun in Schweden. Daneben sieht man Ocker aus Eisenhydroxid. Letzteres war früher ein Zeichen des Wohlstands, da die Farbpigmente importiert werden mussten. Außerdem gibt es noch Gelb, Blau und Weiß. Die kräftigen Fassaden geben in den langen Wintern Orientierung. Sie stiften Identität und ein Gefühl von Wärme und Behaglichkeit. Hinzu kommt eine reduzierte Formensprache. Sie zeichnet sich aus durch eine klare Geometrie, wenige Ornamente und natürliche Materialien wie Holz, Stein oder Glas.

Trotz ihrer kontrastreichen Farbgebung wirken die Häuser eingefügt in die Landschaft, auch maßstäblich reduziert. Sie gehen oft zurück auf eine funktionale Holzbauweise, angepasst an klimatische Besonderheiten. Eine protestantische Schlichtheit ist nicht zu verkennen. Kaum eines der Häuser sticht durch besonders voluminöse Baukörper gegenüber anderen heraus. Dahinter stecken wohl gewisse soziale Gleichheitsideale, zumindest eine Zurückhaltung beim Zeigen des Wohlstands.

Fotografisch ist die Szenerie im Winter eine wahre Freude. Farbkleckse vor verschneiter Berglandschaft.

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3 Gedanken zu “Farbenfroh die dunkle Zeit überstehen


    1. Hallo Horst,
      vielen Dank. Ich habe mir deine Fotos angesehen und es wird mal wieder deutlich wie wichtig das Licht für uns Fotografen ist. Wir hatten das Glück in 80% der Tageszeiten über Sonnenschein zu verfügen. Da leuchten die bunten Häuser noch viel stärker.
      Liebe Grüße Jürgen

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