Unten rollt der Verkehr, oben herrscht erholsame Ruhe. Sogar Kunst hat ihren Platz gefunden. Der Petuelpark: Grüne Oase über Blechlawine.
Autotunnel oder Kindergärten
Zugegeben, ich war auch dagegen. Es waren die Auseinandersetzungen der 90er Jahre, wofür das knappe Geld der Stadtkasse ausgegeben werden soll: Autotunnel oder Kindergärten. Die Autofahrer und Anwohner gewannen den Bürgerentscheid knapp mit 50,7% und der Deckel auf die Stadtautobahn wurde gebaut.
Eine Oase über Blechlawine
2004 erfolgte die Einweihung des Parks auf dem Deckel (nach Plänen des Landschaftsarchitekten Otto A. Bertram). Auf 60 Metern Breite und 650 Metern Länge entstand eine Oase über der Blechlawine. Der Park bezieht an seiner Südseite den Nymphenburg-Biedersteinkanal mit ein, der ihm den Charakter einer kleinen Flusslandschaft verleiht. Da der Autotunnel das umliegende Gelände um bis zu dreieinhalb Metern überragt, legten die Erbauer den Park auf verschiedenen Ebenen an.
In den nunmehr 20 Jahren seines Bestehens entwickelte er sich zu einem festen Ziel für Spaziergänger und Freizeitsportler der beiden angrenzenden Stadtteile Milbertshofen im Norden und Schwabing im Süden. Der Park bietet jedoch noch mehr und ist daher nicht nur für Anwohner einen Ausflug wert:
Kunst im öffentlichen Raum
Insgesamt dreizehn Kunstwerke sind über den Park verteilt. Unten sind einige dargestellt.
Idyllisch geht es in dem von Hecken umgebenen Viereck des Künstlers Rodney Graham zu, genannt „Musical Folly“ (Bild 2). Täglich um 16:15 Uhr erklingt „I’m on an Island“. Wem die fest verbauten Stühle bekannt vorkommen, der war schon mal im Jardin de Luxembourg in Paris.
An Speakers Corner in London erinnert mich das „Rhetorische Wäldchen“ des Künstlers Harald Klingelhöller (Bild 3 und 4). An unterschiedlich hohen Stehpulten können zwei Menschen miteinander reden. Auf Knopfdruck kommt auch Wasser, wem danach ist.
Etwas versteckt liegt das Persikop von Bogomir Ecker (Bild 5). Es soll den Blick nach unten in die Tunnelröhre ermöglichen, funktionirt leider derzeit nicht. Man hört lediglich die Geräusche der unten vorbei donnernden Fahrzeuge.
In der oktogonalen „Voliére“ von Raimund Kummer (Bild 7 und 10) hängen kopfüber zwei grüne Glasgebilde mit Linsen in denen sich die Umgebung widerspiegelt. Mit etwas Geschick sieht man sich darin selbst.
Nicht zu übersehen ist der Cowboy „Go„“ von Pia Stadtbäumer (Bild 8 und 9). Statt rassigem Pferd, ein einfaches Maultier, beladen mit allen möglichem Trash. Statt ausgewachsener Mann ein Jugendlicher, der im Schneidersitz lässig durch den Park reitet, Ghettobluster und Skater dabei.
Der Gegensatz zur Cowboy-Skulptur steht unterhalb am Kanal: „Maria, Quell des Lebens“ von Hans van Houwelingen (Bild11). Es ist die Nachbildung einer Marienstatue aus dem 15. Jahrhundert. Aus dem Finger des Jesukinds fließt Wasser in ein Becken, das eher wie eine Tonne aussieht. Vergangene Frömmigkeit und säkulare Gegenwart in einem.
Wer mehr zu den einzelnen Kunstwerken sowie den sieben übrigen wissen möchte, dem empfehle ich den folgenden Link: Quivid Kunst am Bau. Nach all der Kunst hat man sich eine Rast im Café Ludwig in der Parkmitte (Bild 15) verdient.

















Hier findest du weitere Blogs zu München.

Ja, so lässt sich das Übel in etwas Positives verkehren – womit wir wieder beim Verkehr angekommen wären.
Liebe Grüße Horst
Lieber Horst, es hat den Verkehr nicht verringert, eher weiter befördert. Aber man sieht ihn nicht mehr. Ist doch eigentlich ein gängiges Prinzip in unserer Politik, oder? Liebe Grüße Jürgen
Der Stadttunnel ist jetzt hier in Planung. Bis es soweit ist, wird noch viel Lärm und Ungeduld aufkommen.
Ich möchte dort nicht wohnen. Es scheint bei euch aufgegangen zu sein, was hier noch unvorstellbar wirkt.
Deine Impressionen sprechen für sich.
Liebe Grüße,
Syntaxia
Hallo Syntaxia, ja das schon. Aber statt in den Städten sinnvolle Alternativen zum Individualverkehr zu installieren, bringen wir ihn für viel Geld unter die Erde bzw. überdachen ihn. Liebe Grüße Jürgen