Rund um das Treppenauge: Wendeltreppen

Sie führen Menschen nach oben. Sie verbinden den Himmel mit der Erde oder profaner, die noblen Obergeschosse mit dem niederen Erdgeschoß. Sie haben einen besonderen ästhetischen Reiz und sind beliebte Sujets in Horrorfilmen und bei Fotografen. Rund um das Treppenauge: Wendeltreppen.


Rechts gewendet versprach mehr Schutz

Nachdem so viele meinen Blog Münchner Treppen mit Charakter besuchen, stelle ich euch heute eine spezielle Variante an Treppen vor: die Wendeltreppe. Die Archäologen meinen, die ersten Wendeltreppen sind durch den Brunnenbau entstanden. Es waren Trittsteine in der Brunnenwand, die spiralförmig nach unten zur Wasseroberfläche führten. Die ersten oberirdischen Wendeltreppen entstanden wohl in der Antike, um auf Wachtürme zu gelangen oder Leuchttürme zu besteigen. Eine besondere Variante der Wendeltreppe entwickelte das Mittelalter. Um den Festungsturm besser verteidigen zu können, wanden sich Spiraltreppen im Uhrzeigersinn nach oben. Warum? Weil die meisten Menschen Rechtshänder sind und es einem Rechtshänder schwerer fällt mit dem Schwert in der rechten Hand im Uhrzeigersinn nach oben zu stürmen und gleichzeitig zu kämpfen.

Ein beliebter Ort für Horrorszenen

Springen wir mal in unsere Neuzeit: Wendeltreppen sind ein beliebtes architektonisches Motiv in Kriminal- und Horrorfilmen. Einer davon heißt sogar: „Die Wendeltreppe“ (1946). Die Wendeltreppe als Sinnbild für Angst und Schwindel. Im berühmten Film „Der dritte Mann“ (1949) gibt es mehrere Verfolgungsszenen über Wendeltreppen. Warum werden sie dafür gerne verwendet? Wendeltreppen haben eine große Tiefenwirkung, das Licht wechselt beim Auf- oder Abstieg. Die natürliche Spirale mit dem Treppenauge wirkt als Blickfang. Der Meister des Horrors, Alfred Hitchcock, hat in seinem Film „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ (1958) sogar einen eigenen Kino-Effekt auf der Wendeltreppe des Glockenturms kreiert, den Dolly-Zoom (Kamera fährt rückwärts, Zoom fährt hinein), der viele Nachahmer fand.

Faszinierende Geometrie

Und in der Fotografie? Mich faszinieren die starken grafischen Linien, das rhythmische Wiederholen der Stufen, die strenge Geometrie. Manchmal erinnen mich die Wendeltreppen an ein Schneckenhaus. Sie eignen sich auch für eine berühmte Bildaufteilung, die Fibonacci-Spirale (auch bekannt als Goldene Spirale). Hier ein paar Bildbeispiele aus meinen Reisen und v.a. aus München. Ganz im Sinne des Film noir in schwarzweiß. Nicht immer hatte ich einen genügend große Brennweite dabei. Ihr mögt es mir nachsehen.

Wenn ihr Fotos von Wendeltreppen gemacht habt, schickt mir doch einen Link.

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