Licht ist Alles

Die Motive sind bekannt, schon häufig daran vorbei gegangen und fotografiert. Doch dann, eines Abends, aufgemacht, bevor die Sonne untergeht und auf einmal sieht alles ganz anders aus: Licht ist Alles.

Es sind die Momente, in denen man den inneren Schweinehund besiegt, die Kamera in die Hand nimmt und sich aufmacht noch einmal rauszugehen, statt sich Zuhause einzukuscheln. Und wohin? Ja, ganz bewusst die Ziele ansteuern, die man schon ein Dutzend mal fotografiert hat. Vielleicht sieht man doch noch etwas Neues? Nein, die Motive sind die Gleichen. Aber das Licht ist anders. Und plötzlich sieht man die Dinge mit anderen Augen.

Dabei ist es uns doch klar. Fotografieren heißt wörtlich mit Licht malen. Und so sehen die gleichen Motive in jeweils anderem Licht anders aus. Die langweiligen Schienen unter der Brücke leuchten auf einmal. Der massive Kubus des Bürogebäudes, der sonst grau und drückend erscheint, wirkt im Licht der untergehenden Sonne plötzlich leicht, scheint zu schweben. Die stählerne Brücke ist bevölkert von jungen Menschen, die der untergehenden Sonne zuschauen. Die Graffiti an der Brückenverkleidung beginnen durch das rückwärtige Sonnenlicht zu leuchten. Die dunkle schiefergraue Fassade der Google-Zentrale in München spiegelt sich auf dem Dach eines geparkten Fahrzeugs. Die stählerne Haut des Busbahnhofs wirkt wie eine goldfarbene Krone über dem Gebäude. Das Rondell am Karlsplatz erstrahlt im Restlicht der Sonne.

Alle Fotos sind in einer einzigen Abenddämmerung entlang der Münchner S-Bahnstammstrecke zwischen Hirschgarten und Karlsplatz entstanden. Nicht nur in der Landschaftsfotografie, sondern auch in der Stadt- und Architekturfotografie spielt das Licht eine entscheidende Rolle. Überspitzt könnte man sagen, das Motiv ist nichts, das Licht ist Alles.

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4 Gedanken zu “Licht ist Alles


  1. Lieber Jürgen, „den inneren Schweinehund besiegen“ daran muss ich noch arbeiten. Die interessanten Motive liegen im Auge des Betrachters bei entsprechender Beleuchtung. Von Dir lerne ich immer wieder „sehen“
    Liebe Grüße Wilfried

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