Münchens heißestes Stadtquartier

Eigentlich gilt die Stadt München als bieder, bierseelig und gesittet. Aber es geht auch anders. Das Bahnhofsviertel ist Münchens heißestes Stadtquartier.

Überhaupt nicht bieder

Derzeit fehlt dem Bahnhofsquartier der Bahnhof, d.h. das Gebäude ist abgerissen, ein Neues entsteht. Genauso wie der Bahnhof befindet sich das ganze Quartier im Umbruch. An allen Ecken werden alte Gebäude abgerissen und Neue bzw. Baulücken entstehen oder warten auf neue Investoren, weil die alten sich verspekuliert haben.

Wer meint, es gäbe schon genügend Hotels hier, wird eines Besseren belehrt. Angeblich sei hier die höchste Hoteldichte Europas zu finden. Eines hat das Quartier mit den meisten Bahnhofsvierteln in den Großstädten gemeinsam: das Rotlicht-Milieu. Ja, auch im biederen München hat die Sexindustrie eine Heimat gefunden.

Geschichtsträchtig und von zweifelhaftem Ruf

Dem Ruf geschadet haben jedoch weniger die Sexindustrie noch die vielen kleinen Läden, Schnellimbisse oder Spiellhallen. Eher die Drogen- und Alkoholmißbrauchsszene sowie die Gewaltdelikte rund um den Hauptbahnhof. Der Münchner Hauptbahnhof hat inzwischen mit den anderen großen deutschen Städten gleichgezogen was die Zahl der Gewaltdelikte angeht.

Wo heute das Multiplexkino Mathäser steht, befand sich zu Beginn des letzten Jahrhunderts das Mathäser Bräu. Hier konstituierte sich im November 1918 der Arbeiter- und Soldatenrat und leitete den Sturz der bayerischen Monarchie ein. Um die Durchhaltefähigkeit der roten Soldatenräte zu verbessern, mischten sie Zitronenlimonade in das Weißbier, das sie im Keller vorfanden. So entstand die im Volksmund genannte „Russenmaß“. Eine kleine Gedenktafel im Kino erinnert an Kurt Eisner, dem aus der Novemberrevolution hervorgegangenen ersten bayerischen Ministerpräsidenten.

1984 verübte die neofaschistische „Gruppe Ludwig“ einen Brandanschlag auf den damaligen Nachtclub Liverpool. Eine Frau wurde dabei getötet. Insgesamt kamen 15 Menschen vor allem in Norditalien durch solche Anschläge ums Leben.

Multikulturell und friedlich

Die Gastarbeiter, die in den 60er Jahren zu uns kamen, siedelten sich gleich im Viertel zwischen Bahnhof und Theresienwiese an. Mit jeder neuen Welle kamen weitere Nationalitäten hinzu. In der Goethestraße dominieren türkische Supermärkte und Schnellimbisse sowie Friseure und Hochzeitsboutiken. In den angrenzenden Straßen findet man arabische, irakische, pakistanische, indische und afrikanische Läden und Fastfood-Lokale.

Wer genug von bayerischer Küche hat, der findet hier Speisen aus aller Welt und aller Geschmacksrichtungen. Richtig Leben kommt ins Viertel erst am Abend. Da lohnt es sich, die Speisekarten anderer Kulturen zu erkunden. Und keine Angst: anders als am Hauptbahnhof geht es im angrenzenden Viertel meist friedlich zu.

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2 Gedanken zu “Münchens heißestes Stadtquartier


    1. Lieber Horst,
      vielen Dank. Ich hoffe, ich kann dazu beitragen, die Vorurteile und Hemmschwellen etwas abzubauen, die bei eingesessenen Münchnern gegenüber dem Viertel bestehen. Liebe Grüße Jürgen

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