Direkt am Zusammenfluß von Donau und Altmühl, auf dem Michelberg in Kelheim, steht ein Pantheon im Grünen.
Ein sichtbares Siegeszeichen sollte her
Die Begeisterung des bayerischen Königs Ludwig I und seiner Architekten Friedrich von Gärtner und Leo von Klenze für antike Architektur haben nicht nur in der Residenzstadt München, sondern auch beim Zusammenfluss von Donau und Altmühl in Kelheim Spuren hinterlassen. Nachdem zwischen 1813 und 1815 die Truppen Napoleons mit vereinten Kräften besiegt worden waren, sollte diesem Sieg über die Fremdherrschaft ein Denkmal gewidmet werden.
Ein Pantheon im Grünen nördlich der Alpen
Als 1836 Ludwig I zusammen mit seinem Architekten Friedrich von Gärtner die antiken Stätten Griechenlands besucht hatte, reifte wohl der Gedanke, Ähnliches in der niederbayerischen Provinz zu errichten. Gärtner erstellte einen Entwurf für ein Gebäude im Stil eines römischen Pantheons, sein architektonischer Gegenspieler Klenze vollendete nach Gärtners Tod die Planung im klassizistischen Stil. Als Bauplatz wählte Ludwig I den Michelsberg bei Kelheim, der schon von den Kelten besiedelt worden war. Außerdem gehörte Kelheim zum Stammland der Wittelsbacher. Das Baumaterial konnte hier am Fuß des Michelsbergs über den neuen Ludwig-Donau-Main-Kanal günstig angeliefert werden. 1842 wurde der Grundstein gelegt, 1863 erfolgte die feierliche Eröffnung des Denkmals durch seinen Nachfolger Maximilian II. Ludwig I hatte bereits 1848 abdanken müssen.
Gespaltene Gefühle
Der erste Eindruck vom Gebäude, nachdem man die Serpentinen des Michelsbergs überwunden hat, ist zunächst sehr pittoresk. Ein Pantheon im Grünen, auf einem Hochplateau errichtet und eingebettet in eine liebliche Parklandschaft mit Aussicht auf Donaudurchbruch und Einmündung der Altmühl. Andererseits wirken die Proportionen des Baus auf mich disharmonisch, da die Kuppel zum großen Teil von außen nicht sichtbar ist. Der obere Kolonadenring verdeckt die Sicht auf den unteren Teil der Kuppel. Despektierlich würde ich sagen, die Form erinnert mich an die früheren Gasspeicher in meiner Heimatstadt.
Wenn man im Osten des Gebäudes die vielen Stufen bis zum Eingang überwunden hat, fröstelt es einen beim Anblik der Formen im Innern. Alles aus kaltem, entweder echtem oder Stuckmarmor gefertigt. 34 Siegesgöttinnen, an den Kriegen beteilgte Staaten repräsentierend, halten sich an den Händen. Dazwischen Schilder aus dem Metall erbeuteter Kanonen. Auf Tafeln werden die Feldherren gepriesen, die für den Sieg maßgeblich waren.
Die Kriege forderten einen hohen Blutzoll – Gewinner waren nur wenige
Um nur einen Gewinner herauszugreifen: Carl von Wrede. Er kämpfte ursprünglich auf Seiten Napoleons, wurde bayerischer Feldmarschall und führte 30.000 Bayern im Russlandfeldzug Napoleons in den Tod. Die Bereitstellung von Soldaten war der Preis dafür, dass Napoleon dem Wittelsbacher Fürstenhaus zum Königstitel verhalf. Von den Soldaten kamen die Wenigsten zurück. Schließlich überredete von Wrede den bayerischen König Maximilian I die Seiten zu wechseln und gemeinsam mit anderen deutschen Armeen Napoleon zu besiegen. Dafür bekam Carl von Wrede 1814 vom bayerischen König die Fürstenwürde und ein Schloss in Ellingen geschenkt (davon mehr in einem späteren Blog).
Sehr kritisch stellt das neue Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg die ambivalente Haltung der Wittelsbacher zu Napoleon dar. Es lohnt sich also die 25km von der Befreiungshalle bis Regensburg zu fahren, und die Hintergründe zu studieren. Ganz unpathetisch, im Gegensatz zu dem monströsen Siegestempel.










In loser Folge gibt es demnächst weitere Blog-Beiträge aus der Region zwischen Donau und Altmühl. Hier die bislang erschienen:
Abusina – an der Grenze zu den Barbaren
Abens: Spargel, Bier und bayerische Politik
Ein Kunstschatz am Naturdenkmal
Zerplatzte Visionen: der Main-Donau-Kanal
Maibaum aufstellen als Gemeinschaftsleistung

Lieber Jürgen,
dein schöner Beitrag kommt mir irgendwie bekannt vor. Herzlichen Dank für die historische Einordnung.
Liebe Grüße Horst
Lieber Horst, danke, ich weiß, du hattest vor längerem einen Beitrag dazu mit ästhetisch sehr gelungenen Fotos. Ich bin einige Zeit hier in der niederbayerischen Gegend unterwegs und habe bislang den „Gasometer“ stets umkreist. Erst nach meinem Besuch im Regensburger Geschichtsmuseum hat es mich wirklich interessiert. Liebe Grüße Jürgen
Hallo Jürgen,
wie immer bin ich – und hier trotz bekannten Objektes – angetan von deiner Blickwahl. Beeindruckt bin ich auch hier von deinen anscheinend sehr tiefgründig recherchierten Informationen zum geschichtlichen Hintergrund. Bist du heimlich Geschichtsprofessor? Erste Klasse.
Danke
Hallo Thomas, es freut mich, dir das allseits bekannte Monument von einer etwas anderen Seite zu zeigen. Über den heimlichen Geschichtsprofessor muß ich nachdenken 😅. Mich interessieren neben dem Offensichtlichen auch die Geschichten dahinter, insoweit hast du recht. Liebe Grüße Jürgen
Lieber Jürgen
Wie immer tolle Fotos und neue Blickwinkel auf dieses alte Gebäude. Ich darf noch ergänzen, dass die Wittelsbacher verzweifelt darum bemüht waren, ihre Rolle in den Kriegen gegen Napoleon umzudeuten. Erst die 30.000 Bayerischen Männer als Gegengeschäft für die Erhebung zum Königreich, dann im allerletzten Augenblick, als schon deutlich war, dass Napoleon gegen die vereinigten Heere bei Leipzig keine Chance hatte, der Seitenwechsel- aber so spät, dass die Bayerischen Soldaten erst auf dem Schlachtfeld ankamen als alles vorbei war…um das zu kaschieren wurde in München der Obelisk auf dem Karolinenplatz aufgestellt und eben die Befreiungshalle…hat geklappt- die Bayern haben ihren König erst 1918 davongejagt….mit deinen Fotos macht Bayerische Geschichte gleich viel mehr Spaß. Schönen Gruß Sigi
Lieber Sigi,
danke für die Fortsetzung der Erzählung 😉. Liebe Grüße Jürgen