Im mittelfränkischen Ellingen kann man ein Schloss besichtigen, das mit kostbarem klassizistischen Interieur punktet. Genauso spannend wie die Inneneinrichtung ist dessen Geschichte: Schloss Ellingen ein Geschenk.
Der Aufsteiger
Es waren unruhige Zeiten – wie heute. Nach der französischen Revolution 1789 brachen die Machtverhältnisse in Europa auf. Napoleon überzog den europäischen Kontinent mit Krieg. Wechselnde Koalitionen kämpften um die Vorherrschaft. Eine Zeit, prädestiniert für den Typus Aufsteiger, wie Napoleon selbst einer war. Da gab es den Juristen Carl Phillip von Wrede (1767-1838), der in der Kurpfalz ein Freiwilligenbatallion gegen die Franzosen organisierte. Der bayerische Kurfürst Maximilian I. Josef wurde auf ihn aufmerksam und engagierte ihn für die bayerischen Heere.
Von Wrede brachte es – trotz seines niedrigen Adelsrangs – bis zum Oberkommandierenden und führte die bayerischen Truppen je nach Anforderung mal gegen, mal mit Frankreich in den Krieg. Wie die heutigen Aufsteiger, nutzte er alle Finessen. In einer Intrige zusammen mit Max-Josefs Sohn Ludwig (dem späteren König Ludwig I) stürzte er den langjährigen ersten Minister Mongelas, der stets skeptisch gegenüber der Bindung an Frankreich war und ließ sich selbst an die Spitze des bayerischen Kronrats befördern.
Ein überaus dankbarer König
Bayern wechselte am Anfang des 19. Jahrhunderts seine Bündnispartner wie das Hemd. Zunächst ließ sich der Kurfürst Maximilian I. Josef 1806 von Napoleon zum ersten bayerischen König ausrufen und bedankte sich mit Soldaten. Von Wrede organisierte die Unterstützung Napoleons im sogenannten Russlandfeldzug. Von den 38.000 bayerischen Soldaten kamen nur 2.217 zurück.
Als sich das „Kriegsglück“ drehte, Napoleons Macht schwand, wechselte Bayern die Pferde und schlug sich auf die Seite der Befreier von der französischen Herrschaft. Maßgeblicher Organisator für den Bündniswechsel 1813 war von Wrede. Max-Josef erwies sich als überaus dankbar. Er erhob von Wrede 1814 in den Fürstenstand und schenkte ihm 1815 ein Schloss samt Ländereien in Franken: Ellingen.
Aus Paris kam nur das Beste
Das Schloss in Ellingen war von 1216 bis 1789 im Besitz des Deutschen Ordens. Nach der Schenkung stattete Carl Phillip von Wrede eine Reihe von Räumen mit kostbaren Seiden- und Papiertapeten sowie Möbeln, Glaswaren und Bronzen aus Paris aus. Diese sind weitgehend im Original noch heute erhalten. Dies ist vor allem ein Grund, sich das Schloss in Mittelfranken anzusehen. In dieser Originalität sind klassizistische Innenräume nur noch selten erhalten. Sie gelten als die bedeutendsten Zeugnisse dieser Zeit in Bayern. Eine Besichtigung ist nur im Rahmen einer Führung möglich. Näheres dazu gibt es hier.
Wer sich nach all der Raumkunst nach Entspannung sehnt, kann sich in dem dem Schloss gegenüber liegenden Biergarten des Fürst Carl Bräustüberls niederlassen. Die von Wredes verkauften das Schloss Ellingen 1938 an den bayerischen Staat (ja, richtig gelesen: ein Geschenk wird an den Schenker verkauft), behielten jedoch die Schlossbrauerei. Sie haben ja noch ein weiteres Schloss in unmittelbarer Nähe: Schloss Sandsee, ihr heutiger Familiensitz, ebenfalls eine Schenkung Max-Josefs.
Das Schloss ist nur eine von vielen sehenswerten Perlen entlang der Altmühl. Hier die bislang erschienen Blogs zwischen Donau und Altmühl:
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