Peter Lenk stellt auf seiner „Magischen Säule“ am Bodenseeufer historische Personen der Stadt Meersburg dar. Wie so oft bei Lenk geht es dabei recht derb zu: Geschichten von Magnetismus und Teufeln.
Eigentlich hätte ich die nachfolgenden Bilder an den Blog Meersburg vor dem Massenansturm anhängen können. Doch die deftigen Figuren von Peter Lenk auf der „Magischen Säule“ am Meersburger Hafenkai verdienen eine eigene Darstellung. Lenk wählte für seine Figuren grauen Betonguss. Dem will ich durch die SW-Abbildung entsprechen. Doch nun zu den Figuren und ihren Geschichten:
Die Dichterin als Möve
Da thront zunächst an der Mastspitze die gute Droste-Hülsoff als Möve. Wer den Deutschunterricht der 60er und 70er Jahre nicht geschwänzt hat, kennt ihre Novelle „Die Judenbuche“. Die von Lenk etwas unvorteilhaft dargestellte Dichterin lebte hier in Meersburg bei ihrer Schwester, der Angetrauten des Schloßherren Freiherr von Laßberg. Diesen wiederum sieht man ebenfalls auf der Säule verewigt, im Rücken einen Amor mit Pfeil, da Laßberg wohl auf diesem Gebiet sehr engagiert war.
Der Hypnotiseur triumphiert
Auf dem auskragenden Teil der Säule steht ein Mann, der einen Magneten wie eine Wünschelrute hält. Es ist der Arzt und Hypnotiseur Franz Anton Messmer. Er wollte den „animalischen Magnetismus“ in den mennschlichen Körper einfließen lassen. Seine schärfsten zeitgenössischen Kritiker sind in einem Planetenkäfig darunter gefangen. Er selbst triumphiert letztlich über seine Kritiker.
Ein Fräulein wünscht sich Gesellschaft
Gleich neben dem Freiherrn von Laßberg breitet das nackte Edelfräulein Wendelgard von Haltnau, auf Weintrauben sitzend, ihre Arme aus. Sie wollte der Überlieferung nach der Stadt Meersburg ihr Gut zur Bewirtschaftung überlassen, wenn diese ihr täglich (!) einen Ratsherren zum Essen schicken und sie sonntags mit der Kutsche ausfahren würde.
Teufel aus dem Hinterteil
Am deftigsten geht Lenk mit der katholischen Kirche um. In Meersburg trieb im 18 Jhd. ein Teufelsaustreiber namens Johann Joseph Gaßner sein Unwesen. Aus seinem Hinterteil entweichen langschwänzige, geflügelte Teufel.
Peter Lenk, 1947 in meiner Heimatstadt Nürnberg geboren, schuf zahlreiche Skulpturen, die heute im öffentlichen Raum im Südwesten Deutschlands aufgestellt sind (siehe auch den Beitrag von Horst Hirning: Ludwigs Erbe). Dabei geht Lenk nicht zimperlich sowohl mit Lebenden wie auch mit Verstorbenen um. Freiheit der Kunst eben – und das ist gut so.









Hallo Jürgen,
ein umfassender und gelungener Beitrag zu Lenk. Herzlichen Dank auch für den Link auf meine Homepage. Nur eine kleine Bitte: Mein Vorname ist Horst, nicht Heinz.
Liebe Grüße Horst