Kulturbaustelle

Der Gasteig, Europas größtes Kulturzentrum in München, muß saniert werden und deswegen wird ein Interimsquartier benötigt. Letzte Woche konnte ich an einer Besichtigung der neuen Kulturbaustelle teilnehmen. Festes Schuhwerk und Regenkleidung war angesagt, wo ab Oktober Damen mit hohen Absätzen und Herren mit polierten Ausgehschuhen den Weg in den neuen Konzertsaal finden sollen. Da bis dahin bestenfalls der Konzertsaal fertig sein wird, dürfte das abenteuerlich werden.

Reykjavik – bunteste Hauptstadt Europas

Vielleicht liegt es an der geografischen Lage im hohen Norden mit den langen Nächten im Winter: Reykjavik hat eindeutig das bunteste Stadtbild aller Hauptstädte Europas. Nicht nur, dass viele Häuser der Altstadt bunt angemalt sind, sondern es finden sich überall überdimensionale Graffity, nicht wild durcheinander, sondern ordentlich, wie es Isländern und ihren ästhetischen Vorstellungen wohl näher kommt. Reykjavik ist eine junge und aktive Stadt, die in den Sommermonaten nicht nur Touristen aus aller Welt anzieht, sondern viele Studenten, die für ein paar Monate hier Jobs in den Restaurants, Bars oder Touristeneinrichtungen finden. Und es ist eine Stadt mit einer sehr vielfältigen Bevölkerung durch Zuwanderung. Man kann hier gut studieren, welche Vorteile ein offenes gesellschaftliches Klima für eine wirtschaftliche Stadtentwicklung bietet – trotz aller klimatischen Erschwernisse.

Eine Trafostation als Kunstobjekt

Als die Münchner Beamten am Ende des 19. Jhd. von der Residenzpflicht befreit wurden, entstand vor den westlichen Toren Münchens eine Gartenstadt, heute bekannt als Villenkolonie I und II. Federführender Architekt, Stadtplaner und Bauunternehmer war damals August Exter (1858 – 1933), von dem auch die Trafostation stammt. Glühbirne war damals in, Gasbeleuchtung out, also mußte ein Trafostation für die elektrische Versorgung der Gartenstadt her.

Münchner Revolutionäre

Nein, nicht der baumumarmende und bienenrettende aktuelle Ministerpräsident ist gemeint, sondern die Revolutionäre der Münchner Räterepublik von 1919. Sie erhielten zum 100. Jahrestag eine moderne Form der Würdigung als Graffiti auf türkis-rosa-orangem Hintergrund. Das haushohe Werk des Künstlers Markus Müller, alias WonABC, befindet sich auf der Vorderseite eines Gebäudes der Stadtwerke München im Stadtteil Giesing und wird sicher länger halten als die damalige Räterepublik.

Unheimlich beeindruckend

… ist die erste große deutsche Werkschau des niederländischen Fotografen Erwin Olaf (Springveld) in der Kunsthalle in München mit dem Titel „Unheimlich schön“. Zu Anfang und am Ende zeigt Erwin Olaf, wir er die Corona-Krise verarbeitet. Einmal als menschliche Krise im Zusammenleben (Anfang) und dann als Krise der Menschheit im Umgang mit ihrem einzigen Planeten (Schluss).

Apple Tree Submarine – Kunst in der Kirche

Ungewöhnlich ist der Anblick zunächst schon. Über dem Altar der Erlöserkirche in München, einer um 1900 in einer Mischung aus Historismus und Jugendstil erbauten Kirche, schwebt ein knallgelbes U-Boot mit Apfelbaum.

Barlow. Frontier

Es erscheint mir wie eine Erlösung, das kleine Ventil, das sich letzte Woche trotz Pandemie geöffnet hat: hurra, wir dürfen wieder Kunst betrachten. Schnell Ticket reservieren für einen Zeit-Slot von zwei Stunden und Eintauchen in die Kunstwelt: die Restrospektive der englischen Künstlerin Phylida Barlow im Haus der Kunst in München.

Ordnung verdrängt das kreative Chaos

(Special Locations in München)

Im September war ich das letzte Mal dort: im Werksviertel, dem aufstrebenden neuen Büro- und Kreativviertel im Münchener Osten (siehe Blog im Archiv). Nur dass die Kreativen sich inzwischen immer seltener an den noch verbliebenen Graffity-Wänden, sondern immer mehr in den chicen neuen Büro- und Arbeitsräumen engagieren (wenn sie nicht gerade im Corona-Lockdown sind).

Kunst im lockdown

Bevor in München die Ausgangsbeschränkungen verschärft wurden, bot sich noch die Gelegenheit eine beeindrückende Videoinstallation anzusehen. Für diejenigen, die in der Innenstadt wohnen, kann man noch bis 14.02. gut einen Spaziergang dorthin unternehmen, allerdings derzeit wegen der Sperrstunde nur bis 21 Uhr. Das Team um die Viedeokünstlerin Betty Mü bringt die Kunst der Museen des Kunstarreals um den Königsplatz auf die Außenwände. Nach dem Motto: wenn man schon nicht reinkommt, kann man wenigstens sehen, was drinnen verborgen ist.