Barlow. Frontier

Es erscheint mir wie eine Erlösung, das kleine Ventil, das sich letzte Woche trotz Pandemie geöffnet hat: hurra, wir dürfen wieder Kunst betrachten. Schnell Ticket reservieren für einen Zeit-Slot von zwei Stunden und Eintauchen in die Kunstwelt: die Restrospektive der englischen Künstlerin Phylida Barlow im Haus der Kunst in München.

Ordnung verdrängt das kreative Chaos

(Special Locations in München)

Im September war ich das letzte Mal dort: im Werksviertel, dem aufstrebenden neuen Büro- und Kreativviertel im Münchener Osten (siehe Blog im Archiv). Nur dass die Kreativen sich inzwischen immer seltener an den noch verbliebenen Graffity-Wänden, sondern immer mehr in den chicen neuen Büro- und Arbeitsräumen engagieren (wenn sie nicht gerade im Corona-Lockdown sind).

Kunst im lockdown

Bevor in München die Ausgangsbeschränkungen verschärft wurden, bot sich noch die Gelegenheit eine beeindrückende Videoinstallation anzusehen. Für diejenigen, die in der Innenstadt wohnen, kann man noch bis 14.02. gut einen Spaziergang dorthin unternehmen, allerdings derzeit wegen der Sperrstunde nur bis 21 Uhr. Das Team um die Viedeokünstlerin Betty Mü bringt die Kunst der Museen des Kunstarreals um den Königsplatz auf die Außenwände. Nach dem Motto: wenn man schon nicht reinkommt, kann man wenigstens sehen, was drinnen verborgen ist.

Neue Graffiti-Kunst im schicken Viertel

(Special Locations in München)

Das Werkviertel am Ostbahnhof in München ist für jeden Graffiti-Freund ein Begriff. Inzwischen schreiten die Bauarbeiten für die neuen Gebäude weiter voran und mancher könnte meinen, das Ende der Graffiti-Kunst auf dem ehemaligen Pfanni-Gelände sei damit besiegelt. Mitnichten. In letzter Zeit sind wieder neue Graffitis entstanden bzw. entstehen dieser Tage neu. Ein Grund mehr, bei schönem Herbstwetter mal wieder hinzugehen. Außerdem gibt es für kurze Zeit dort noch den Oktoberfest-Ersatz #sommerinderstadt mit Fahrgeschäften und Bierausschank.

Musikalisches Einheizen

(Special Locations in München)

Lange Zeit tat sich gar nichts. Gemeint ist das ehemalige Heizkraftwerk in Aubing aus den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts. Inzwischen beginnen die Bauarbeiten. Ein privater Investor (Allguth) will hier eine Eventlocation mit Biergarten, Jazzkonzerten, Galerieräumen etc. errichten. Mut zum Risiko gehört dazu, so etwas in Angriff zu nehmen. Inzwischen sind die Bauarbeiten im Gange. Höchste Zeit noch eine paar Fotos von den Graffitis für die Nachwelt zu machen. Und dann heißt es warten bis Herbst 2022, wenn das Ganze fertig sein soll und das erste Bier zu heißen Jazzklängen gezapft wird.

Streetart auf Papier

Das muca (museum of urban art) in München zeigt noch bis 03.05. unter dem Titel „Time Capsule“ eine beeindruckende Werkschau der amerikanischen Streetart-Künstlerin Caledonia Curry (Künstlername: SWOON). Mit lebensgroßen Linoldrucken und Scherenschnitten zaubert sie eindrückliche Portraits von Personen, die sie auf ihren Reisen durch die Welt kennen lernte. Nach Paris ist München die zweite Station dieser Wanderausstellung und unbedingt sehenswert. Besonders eindrücklich wirken ihre Portraits in Schwarzweiss, wie unten mit meiner Leica Q aufgenommen.

Kunst am Viehhof

(Special Locations in München)

Für die einen ist der „Bahnwärter Thiel“ eine tragische Figur in einer Erzählung von Gerhard Hauptmann aus dem Jahr 1887, für andere, insbesondere Graffiti-Künstler ist das gleichnamige Gelände auf dem ehemaligen Viehhof im Münchner Osten eine Möglichkeit ihre Kunst auf legalen Flächen zu entfalten. Das Gelände ist zu einem Mekka für Graffiti-Künstler geworden. Es lohnt sich also, einen Ausflug dorthin zu unternehmen und die Freiluftgalerie zu besichtigen.