Das Münchner Stadtviertel Haidhausen war viele Jahrzehnte nicht gerade eine Vorzeigeadresse, die man gerne angab. Heute ziehen immer mehr „Betuchte“ ins Viertel. Ein ehemaliges Glasscherbenviertel wird begehrte Wohngegend.
Das Viertel hatte bis in die 80er Jahre des 20. Jhd. hinein einen eher zweifelhaften Ruf. Auf der rechten Isarseite gelegen und Mitte des 19. Jahrhunderts auf eigenen Wunsch nach München eingemeindet, entwickelte sich aus dem ehemaligen Dörfchen Haidhausen ein Arbeiterviertel. Zahlreiche Brauereien nutzten das Isarhochufer, um in den angelegten Kellern das Bier für die Münchner kühl zu halten. Um die Brauereien entstanden große Biergärten. Mit deren Rückzug und dem Wegzug weiterer Industrien seit den 80er Jahren weitete sich die Wohnbebauung aus.
Eingang in die Geschichtsbücher
Im Zeitablauf fanden hier einige Ereignisse statt, die in die Geschichtsbücher eingingen. 1919 erschossen Freikorpsangehörige nach der Niederschlagung der Münchner Räterepublik im Gästegarten des Hofbräukellers zwölf unschuldige Bürger. Die Täter kamen nie vor Gericht. Vom benachbarten Bürgerbräukeller ging 1923 der gescheiterte Hitler-Putsch aus. Selbiger entging 1939 im Bürgerbräukeller nur knapp einem mißlungenen Attentat.
Französischer Charme am Wiener Platz
Und heute? Es ziehen immer mehr „Betuchte“ ins Viertel. Etliche Gründerzeithäuser haben die Kriegsjahre überstanden und sind heute schick hergerichtet. Dazwischen drängen sich noch kleine Häuschen aus dem früheren Dorf. Manche der Häuschen sind Überbleibsel der früheren Herbergssiedlungen, die für den ärmsten Teil der Bevölkerung, meist Tagelöhner, errichtet wurden. Sie hatten es von hier aus nicht weit zu ihrer Arbeitsstelle in der Stadt. Was heute romantisch aussieht, waren früher einfachste Behausungen ohne fließendem Wasser oder Toiletten.
Die Atmosphäre rund um den Wiener Platz, den Pariser Platz oder dem Orleonsplatz vermittelt mit der sich ausbreitenden Außengastronomie etwas französischen Charme. Boutiquen, Cafés und schicke Läden werten das Viertel auf. Man braucht nur auf die geparkten Autos zu schauen, um zu sehen, wer inzwischen im ehemaligen „Glasscherbenviertel“ angekommen ist. Da das Viertel weit ab von den Touristenrouten liegt, sind die Bewohner hier immer noch weitgehend unter sich.
Wer sich für die Geschichte des Viertels interessiert, hat noch bis 28. April Gelegenheit, sich die Ausstellung des Fotografen Herbert Liebhardt im Haidhausen-Museum anzusehen. Sie trägt den Titel „Verschwundene Welt, Haidhausen von 1973 – 1995“ und zeigt die Veränderungen im Viertel in dieser Zeit. Dazu ist auch ein Bildband mit gleichem Titel erschienen.
Hier gibt es weitere Blogs zu München.





















Lieber Jürgen,
du belegst wieder einmal mit tollen Bildern, wie der Verdrängungsprozess im Wohnbereich sbläuft.
Liebe Grüße
Horst
Lieber Horst, ja das Viertel hat gewonnen, fragt sich nur wer? Und wo sind diejenigen, die verloren haben? Liebe Grüße Jürgen