Der Brauch des Münchner Schäfflertanzes geht bis auf das Jahr 1517 zurück. Es ist ein Tanz, um die Gesellschaft aufzumuntern. Der Schäfflertanz: Aufbruch aus durchlebten Krisen.
Was Corona vor ein paar Jahren war, war früher die Pest
Im Mittelalter kam die Pest etwa 25 Mal nach München. Bei einem Ausbruch stand das Stadtleben still. Die Stadttore wurden geschlossen, und der Zugang eingeschränkt. Stark betroffene Straßen waren abgesperrt. Wer Geld hatte und schnell handelte, verließ die Stadt. Zurück blieben die Alten, Armen und Kranken, die aus Angst vor dem Tod in ihren Wohnungen verharrten. Die Versorgung war katastrophal, da die Landbevölkerung aus Angst vor Ansteckung keine Nahrungsmittel lieferte.
Der Tanz als Ausdruck des Neuanfangs
Nach dem Abklingen eines solchen Pestausbruches lockten die Münchner Schäffler (Fassmacher) im Jahr 1517 die Menschen mit Tanz und Spaß aus ihren Häusern, um das Leben wieder in Gang zu bringen. Sie beschlossen, dies alle sieben Jahre zu wiederholen, was sie bis heute mehr oder weniger regelmäßig tun. Seit 1871 gibt es dafür einen eigenen Verein, den Fachverein der Schäffler Münchens.
Anspruchsvolle Choreographie
Die knapp 40 Tänzer, inklusive Ersatz, haben seit dem Oktoberfest ihre Tanzfiguren geübt. Über die Jahre entwickelten sich feste Tanzfiguren. Neben den Tänzern mit ihren Buchsreifen und der Musikkapelle treten zwei bunt gekleidete Kasperl auf, die durch ihre Späße die Stimmung auflockern, indem sie das Publikum einbeziehen. Sie malen aus einer kleinen Holzpuppe am Gürtel heraus den Zuschauern Ruß auf die Nasen, was sowohl für den schwarzen Tod als auch als Glücksbringer gilt.
Die Gruppe bringt ein Tanzfass mit schwarz-gelben Rauten mit, auf dem ein Tänzer, der Reifenschwinger, Figuren in den Himmel zeichnet. In den Fassreifen sind Vertiefungen für drei Schnapsgläser, die durch Fliehkraft während des Tanzes nicht umkippen sollen. Das Tanzfass wird auch als Podium für den Tanzbesteller und Offizielle genutzt, um Reden zu halten.
Weniger aus der Zeit gefallen, als man denkt
Da es heute nur noch wenige echte Fassmacher gibt (aktuell treten 4 Mitarbeiter und 2 Auszubildene aus der Belegschaft der Münchner Fassfabrik Schmid auf) wird das Brauchtum durch viele Freiwillige aufrechterhalten. Manche mögen den Schäfflertanz als überholt ansehen. Ich kann mich jedoch noch gut an die Corona-Pandemie erinnern. Dabei durfte ich einige Künstler bei ihren Auftritten in Münchner Altenheimen begleiten (siehe auch: Clownerien für Senioren). Wie dankbar die Bewohner waren, trotz Kontaktsperren den Auftritten, wenn auch nur durch das Fenster beiwohnen zu können. Es muss in einer Zeit ohne Fernsehen, Zeitung und anderen Kommunikationskanälen wie eine Erlösung gewirkt haben, die Spaßmacher nach der Pest wieder in den Straßen der Stadt zu sehen.












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Lieber Jürgen,
da hast du eine tolle Tradition überzeugend eingefangen.
Heute bespaßen sich die Menschen so viel wie kaum zuvor und haben offensichtlich trotzdem schlechte Stimmung. Vielleicht ist die Zeit gekommen, um mehr dieser Gruppen zu gründen. Jedenfalls scheint mir die Begegnung in einer solchen Tanzgruppe befriedigender zu sein, als jene in einer digitalen Freundes-Blase.
Viele Grüße
Horst
Lieber Horst,
vielen Dank. Der virtuelle Raum kann all diese verschiedenartigen Sinneseindrücke bei der Begegnung zwischen den realen Darstellern und dem Publikum nicht ersetzen. Schön, daß die Darsteller ihre Freizeit dafür einsetzen, anderen etwas mitzugeben.
Liebe Grüße Jürgen