Wer sich in München auf die Suche begibt, findet sie: die schönen Ecken von Giesing.
Feldmüller-Siedlung
Im letzten Blog kam der Münchner Stadtteil Giesing nicht allzu gut weg. Zugegeben, es ist kein Ortsteil durch den sich – wie jetzt im August – die Touristenströme auf der Suche nach Hotspots wälzen. Selbst bei Münchnern ist Giesing, wenn es um die Standortwahl innerhalb der Stadt geht, kein Stadtteil, der einem dabei in den Sinn käme.
Wer sich allerdings auf die Suche nach den schönen Seiten Giesings macht, der findet sie.
Da ist zunächst die Feldmüller-Siedlung. An die Tegernseeer Landstraße angrenzend, hat hier ein kleine Welt überlebt, die man dörflich oder kleinstädtisch nennen kann. Einer Frau Therese Feldmüller gehörte der Grund, auf dem in der ersten Hälfte des 19. Jht. Kleinhäuser für Handwerker, Tagelöhner und Kleingewerbetreibende errichtet wurden. Maximal ein Stockwerk hoch, hat das Ensemble dieser Kleinhäuser größtenteils unbeschadet alle Wirren überstanden und steht heute unter Denkmalschutz. Keine Filmkulisse sondern lebendiges Kleinod in einer Großstadt.




Ruhepole in Giesing
Wer inmitten des städtischen Treibens Ruhe sucht, der findet sie. Garantiert ruhig und in Nachbarschaft zur Feldmüller-Siedlung: der kleine Park rund um die Heilig-Kreuz-Kirche am Steilufer zur Isar. Und gleich daneben ein barockes Juwel, das Pfarramt.





Etwas ungewöhnlich aber ebenfalls ruhig: ein Gang durch den Ostfriedhof. Neben zahlreichen mehr oder weniger bekannten Verstorbenen, ragt besonders ein Monument hervor: das Mausoleum Moshammers. Fester Bestandteil der einstigen Münchner „Bussigesellschaft“ wurde der Modeschöpfer, Hunde- und Perückenliebhaber Moshammer Opfer eines Gewaltverbrechens. Ein Stricher beförderte ihn vom Leben zum Tod.




Die kleinen Fluchten
Giesing hat selbstverständlich ein eigenes Brauhaus, das Giesinger Bräu. Es darf allerdings noch nicht aufs Münchner Oktoberfest, da das herrschende Brauoligopol in München festgelegt hat, dass nur derjenige hin darf, dessen Wasser für das Bier aus den Tiefenbrunnen Münchens stammt (wer schmeckt denn das?).
Es gibt neben dem Brauhaus auch die kleinen Fluchten, in die sich wenige Touristen verirren und die Einheimischen mehr unter sich bleiben: Das „Ganswoanders“ nahe Kolumbusplatz inmitten von Bäumen, der kleine Kiosk am Nockherberg oder das Café „Schaumamoi“ mit winzigem Biergarten an der Tegernseeer Landstraße. Sogar einen stillgelegten Bahnhof gibt es hier, der als Kulturzentrum genutzt wird.





Erste Fastfood-Kolonie Deutschlands
Ja, es gibt ein „historisches“ Highlight in Giesing, Martin-Luther-Straße 26: das 1971 eröffnete erste McDonald’s-Restaurant in Deutschland, weltweit das Zehnte. Nicht unbedingt eine Schönheit, aber immerhin ein historischer Meilenstein in der deutschen Fastfood-Geschichte. Bei Nacht durchaus ansehnlich.

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Lieber Jürgen,
du findest immer positive Ansätze / Perspektiven und kannst sie dazuhin auch fotografisch umsetzen.
Viele Grüße Horst
Lieber Horst, danke. Es liegt wohl im Auge des Betrachters, auch die positiven Dinge zu sehen. Liebe Grüße Jürgen
Was du hier zeigst, sieht wirklich nicht nach typischer Großstadt aus. Aber jede große Stadt war einmal kleiner und es ist schön, wenn man das Kleine noch findet. Dir ist es gelungen!
Schön ist die erste Siedlung und die Namen der zuletzt genannten Lokale. 🙂
Liebe Grüße,
SyntaxiaSophie
Ja, man muss nur genauer hinsehen, dann findet man solche liebenswerten Ecken. Und die gibt es eigentlich überall. Liebe Grüße Jürgen
Herrlicher Beitrag, Juergen ! Dass es so schöne und vor allem so dörfliche Ecken in Giesing gibt, wusste ich nicht. Das Viertel werde ich mir sicher noch einmal genauer anschauen.
Eine Stippvisite habe ich bereits eingelegt (https://wanderlustig2019.wordpress.com/2025/08/16/revolutionare-streetart-in-giesing-munchen/). Danke für die Anregung !
LG
Inga
Hallo Ingrid, vielen Dank. Noch ein Tipp für die Streetart-Liebhaberin: die Fußgängerunterführung am Giesinger Berg (gleich unterhalb der Heilig-Kreuz-Kirche) ist voller Graffiti. Viele sind schon verblasst oder gecrossed, einige aber noch sehr gut erhalten. Liebe Grüße Jürgen