Es liegt noch auf manchen Münchner Straßen. Und es ist heutzutage umstritten, was nicht immer so war: das Kopfsteinpflaster – eine Reise in die Vergangenheit.
Zum Ende des 19. Jahrhunderts und noch darüberhinaus waren gepflasterte Straßen ein Segen für die Münchner Fuhrleute. Endlich konnten sie ohne tiefe Schlammspuren zu hinterlassen durch die Straßen Münchens ihre Waren transportieren: mit Hilfe des verlegten Kopfsteinpflasters aus Granit.
Die Quelle der Münchner Pflastersteine
Wer sich auf die Spuren der Granitsteine begeben will, der fährt nach Hauzenberg, einem kleinen Ort, ca. zwanzig Kilometer nördlich von Passau, im Bayerischen Wald. Von dort kam ein großer Teil des Münchner Kopfsteinplasters, bekannt durch seine dunkle bläuliche Färbung. Einer der vormals mehr als 150 Steinbrüche in dieser Gegend ist heute ein modernes Museum, das Granitzentrum Hauzenberg.
Granit entsteht durch Gesteinschmelze innerhab der Erdkruste und gilt als eine der härtesten Gesteinsarten. Im Hauzenberger Granitmassiv kommt der Granit bis an die Oberfläche, so dass er in offenen Steinbrüchen abgebaut werden kann. Er bildete die wirtschaftliche Grundlage für in Spitzenzeiten bis zu 15.000 Steinhauer, die im Akkord den Stein brachen. Vor allem die Erfindung der Steinspaltmaschine um 1900 führte zu einem massenhaften Export von Pflastersteinen in die großen Städte wie Wien, Salzburg, München usw. Für viele Menschen war es eine Alternative zur Arbeit in der Landwirtschaft, allerdings zu einem hohen Preis: der Steinstaub und die zahlreichen Unfälle begrenzten die durchschnittliche Lebenserwartung der Steinhauer auf unter 40 Jahre.
Der Niedergang der Pflasterherstellung
Mit dem Aufkommen des billigeren Teer- und Asphaltbelags für den Straßenbau ab 1920 begann der Niedergang des Granitabbaus. In den Städten ist das Kopfsteinpflaster heute sehr unbeliebt weil laut, bei Regen glitschig und für Fahrradfahrer, für Menschen mit Gehbehinderung oder unterwegs mit Kinderwägen eine Last. Vor allem, wenn der Untergrund uneben wird, können Pflastersteine sich schnell zu Stolperfallen entwickeln.
Trotz allem sind die Steine in historischen Stadtvierteln sehr willkommen, geben sie den Plätzen doch einen altertümlichen Charakter. Ökologischer sind sie alle Mal, wenn das Pflaster so verlegt wird, dass in den Fugen eine Versickerung des Regenwassers möglich ist. Und wer sich für die Entstehungs- und Kulturgeschichte rund um den Granit interessiert, dem sei ein Besuch im Granitzentrum sehr empfohlen. Hier einige Bilder dazu.








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Eine gute Idee, dieses Thema aufzugreifen. Gerade in Städten mit historischer Bebauung kann das sehr spannend sein.
Ja, die Zusammenhänge waren mir vor meinem Besuch in Hauzenberg völlig unbekannt.