Die Pleite zum Jubiläum

Jetzt ist es wohl amtlich: vier von fünf Immobilien-Großprojekten der Signa-Gruppe in der Münchner Innenstadt haben Insolvenz angemeldet. Eine Katastrophe für die Münchner Innenstadt und eine Pleite zum Jubiläum.

Das Klumpenrisiko

Wie konnte das geschehen? Dass sich ein einzelner Bauherr übernimmt, kommt vor, siehe den Blog zum Neubau des Königshofs am Stachus). Aber dass man einer einzigen Investorengruppe gleich so viele herausragende städtebauliche Flächen in einer Stadt anvertraut, ist schon eine Seltenheit. Im Risikomanagement sagt man dazu Klumpenrisiko.

Die Schneider-Pleite 1994

Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch an einen gewissen Herrn Jürgen Schneider, der 1994 eine Milliardenpleite hinlegte und 1995 u.a. wegen Betrugs verurteilt wurde. In München war damals die Sanierung des Bernheim Palais am Lenbachplatz von der Pleite betroffen. Die Münchner traf es also nur in einem Fall.

Die Signa-Pleiten 2024

Dreißig Jahre später haben wir wieder einen Großinvestor, der eine veritable Pleite hinlegt. Die Pleite zum Jubiläum sozusagen. Dabei will ich keinesfalls behaupten, daß die jetzigen Pleiten auf unrechtmäßige Geschäfte wie damals im Fall Schneider zurückzuführen sind. Es ist nur verblüffend, dass es damals wie heute einem verkaufstüchtigen Immobilienunternehmer gelungen ist, Banken, Investoren und Kommunen so in seinen Bann zu ziehen, dass wohl alle gebotene kaufmännische Vorsicht beiseite geschoben wurde. Damals wie heute handelt es sich um ein von außen kaum durchschaubares Firmengeflecht mit wechselseitigen Abhängigkeiten. Daher droht ein Unternehmen nach dem anderen in den Insolvenzstrudel gerissen zu werden.

Die Graffiti an den Bauzäunen der Objekte, allen voran die an der Alte Akademie in der Kaufingerstraße, eines der teuersten Einkaufsstraßen der Republik, weisen deutlich darauf hin, dass wohl noch mehr im Argen liegt als nur die geplatzten Visionen eines Immobilientycoons.

2 Gedanken zu “Die Pleite zum Jubiläum


  1. Lieber Jürgen,
    die Geschichte wiederholt sich immer wieder – nicht nur in München. Vom Hochhausbau in Frankfurt ist bekannt, dass nicht wenige Projekte erst nach mehrfachem Konkurs oder Verkauf über die Planungsphase hinauskommen. Das ist bei anderen Großprojekten sicher nicht anders. Da erscheint es schon fahrlässig einem Immobilienunternehmen gleich mehrere zentrale Projekte zu überlassen.
    Vielen Grüße und herzlichen Dank, dass du dich dieses Themas annimmst.
    Horst


    1. Lieber Horst, ja, viel klüger scheinen wir durch solche Erfahrungen nicht zu werden. Das Bedenkliche ist, daß das Rad immer größer wird, das da gedreht wird. Wohl ein Effekt aus der Globalisierung. Jetzt wird gemunkelt, daß sich möglicherweise asiatische Investorengruppen der Bauruinen annehmen wollen. Mal sehen. Vielleicht neuer Schwung ins altbackene Münchner Stadtleben? Liebe Grüße Jürgen

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