Der neue Königshof: vom Gerüst befreit

Alle die den Karlsplatz, von den Münchnern Stachus genannt, regelmäßig passieren, waren gespannt: wie wird der Neubau des Hotels Königshof aussehen, wenn er vom Gerüst befreit ist? Heute zeigt sich: die Begeisterung hält sich in Grenzen, man könnte auch sagen, die Befürchtungen haben sich bewahrheitet.

Anspruchsvolle Ausgangslage

Der Stachus gehört zu den Markenzeichen der bayerischen Metropole. Was hier in das bestehende Ensemble hinein gebaut wird, sollte passen. Auf der Ostseite erstreckt sich in einem weiten Rund das Karlstor-Rondell, entstanden zwischen 1898 und 1902. An seiner Südwestecke steht der frühere Kaufhof, ein relativ massives Gebäude im typisch nüchternen Stil der Nachkriegsarchitektur, das durch seinen seitlichen Anbau, das verglaste Sockelgeschoss und das galerieartige Dach trozdem eine gewisse Leichtigkeit aufweist (siehe dazu meinen Blog Petticoat, Nierentisch & Co.). An der Nordwestecke sitzt mächtig der neobarocke Justizplalast mit seiner riesigen Kuppel, erbaut 1891-97. Dazwischen nun der neue Königshof.

Abriss – eine scheinbar einfache Lösung

Der Vorgängerbau des Königshofs ist nicht alt geworden: die Familie Geisel, die das Hotel seit 1938 betrieb, ließ den Vorgängerbau 1955 errichten, 1970 sanieren und um eine Etage aufstocken. Das Hotelgebäude genügte jedoch nicht mehr den heutigen Ansprüchen, weshalb es 2015 abgerissen und durch den jetzigen Neubau ersetzt werden sollte. Das entspricht dem aktuellen Trend: lieber abreißen statt sanieren. Der Bauherr befindet sich damit in guter Gesellschaft: bundesweit erzeugt die Bauwirtschaft 40% unseres CO2-Ausstoßes, ein wahrer Klimakiller. Darüber hinaus bedeutet Abriss eine ungeheure Verschwendung von Ressourcen. Bei diesem Bauvorhaben kommt hinzu, dass es sich als sehr komplex herausstellte, da der Abriss über der S-Bahn-Stammstrecke durchgeführt werden musste. Außerdem fiel das Bauvorhaben in die Corona-Zeit, der Abriss verzögerte sich um zwei Jahre, der Bauherr konnte die Finanzierung nicht mehr stemmen, so dass er schließlich das Projekt veräußerte. So wird nun aus einem zuvor familiengeführten Hotel ein weiteres Franchiseunternehmen der Marriot-Kette.

Stararchitekten zu beauftragen genügt nicht

Der Entwurf des spanischen Architekturbüros Nieto Sabejano stieß von Anbeginn an auf Skepsis. Mathias Pfeil, Generalkonservator im Landesamt für Denkmalpflege, meinte 2017: „Die Mehrung um vier Geschosse wird sich dramatisch auf das Erscheinungsbild des Königsplatzes auswirken“, ansonsten ist das ein „ungegliederter Monolith“.

Und heute, nachdem wir nicht nur die schön gestalteten Architekturillustrationen des Projekts bestaunen können, sondern die Realität vor Augen haben? Mein Eindruck: die Idee der zum Platz hin gespaltenen Fassade ist sicher ganz spannend. Doch das Gebäude an sich ist wirklich zu massiv für die Raumverhältnisse hier am Stachus und die ihn umgebenden Bauten. Das fällt besonders auf, wenn man um den Bau herumgeht: an den anderen, dem Platz abgewandten drei Seiten, fehlt jegliche Struktur, nur Masse pur. Der benachbarte Justizpalast wird durch die Baumasse schier verdrängt. Warum wurden die vier zusätzlichen Stockwerke genehmigt? Weil der Bauantrag noch von einer eingesessenen Münchner Hoteliersfamilie stammte? Natürlich bringt das mehr Ertrag. Warum haben sich Architekt/Bauherr keine Gedanken darüber gemacht, die Massivität des Baukörpers optisch weiter aufzulockern? Selbst der benachbarte Baukörper des ehemaligen Kaufhof fand durch die Dachgalerie einen versöhnlichen Abschluss. Warum heute solch ideenlose Bauklötze?

Doch jetzt ist das Objekt in der Welt. Immerhin keine Bauruine, wie wir sie derzeit vielerorts in München haben, v.a. dank den Pleiten verschiedener Unternehmen eines gewissen Herrn Benko. Aber das ist wieder ein anderer Blog. Vielleicht kann die ausstehende Außengestaltung des Bauprojekts noch ein bisschen versöhnen. Oder vielleicht ein öffentlicher Zugang zur Dachterasse – ohne Verzehrzwang, wenn schon so hoch gebaut werden durfte. Das böte einen genialen Blick auf die wirklich prägende Stadtarchitektur: das Karlstor-Rondell (siehe letztes Bild).

Ein Gedanke zu “Der neue Königshof: vom Gerüst befreit


  1. Das Hotel gefällt mir auch nicht. Aber noch ein Lichtblick in der trostlosen Fußgängerzone vom Stachus zum Bahnhof mit Bauruinen und leerstehenden Läden, u.a. den beiden Kaufhausgebäuden. Was für eine Visitenkarte für München Besucher, die am Bahnhof ankommen.

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