Außen ein Bau im Stil des Neobarock, innen ein Treppenaufgang, der mit jedem großen Schloss mithalten kann. Im zweiten Stock erweist er sich als Palast mit einer Kammer des Schreckens: der „Justizpalast“ am Karlsplatz in München.
Monumentaler Treppenaufgang
Es gab zwei Gründe für einen Besuch. Der erste Grund war ein Tipp zu meiner Serie: Münchner Treppen mit Charakter. Nur die wenigsten Münchner kennen den Treppenaufgang in der Zentralhalle des Justizpalasts. Das Betreten des Gebäudes gestaltet sich nicht einfach, doch wer den Bodycheck der Security erfolgreich überwunden hat, traut seinen Augen kaum. Man betritt eine Halle von rund 20 x 30 m Grundfläche, gekrönt von einer Glaskuppel, deren Laterne 66 m hoch in den Münchner Himmel ragt. Das Treppenhaus bezieht alle vier Seiten der Halle ein.
Eingeweiht wurde das Gebäude 1897, Architekt war Friedrich von Thiersch. Außen Neobarock, weist es im Innern durch die Glaskuppel bereits in Richtung Moderne. Genutzt wird das Gebäude heute vom Bayrischen Justizministerium und vom Landgericht München.










Die Kammer des Schreckens
Der zweite Grund des Besuchs war die Neugestaltung der Ausstellung zum Prozess gegen die Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ im zweiten Stock. Hier fand 1943 der Prozess gegen die Geschwister Scholl und weitere Mitglieder der Gruppe statt. Die Bestuhlung des Gerichtssaals ist noch im Original vorhanden. Ein kleiner Film gewährt einen Einblick in den Schauprozess und die Prozessführung des Volksgerichtspräsidenten Roland Freisler.
Was mich sehr nachdenklich stimmte, war die integrierte Ausstellung, die zeigt, wie konsequent die Nationalsozialisten ab 1933 die Justiz sowohl personell als auch durch Gesetzesänderungen unter ihre Kontrolle brachten, um sie als Terrorinstrument einsetzten.
Ob es die bis vor Kurzem in Polen regierende PIS-Partei war oder die in Israel regierende rechtsgerichtete Koalition ist: immer trachten rechtspopulistischen Parteien danach, den Rechtsstaat auszuhöhlen und in ein willfähriges Instrument zur Durchsetzung ihrer Ideologie zu verwandeln. Gut, daß die deutsche Justiz sich (inzwischen) dessen bewusst ist, wie die sehenswerte Ausstellung zeigt. Ob das aber für alle Zeiten so gilt und ob unsere Demokratie wehrhaft genug ist, das bleibt eine offene Frage.
Hier gibts weitere Infos zur Dauerausstellung.






Lieber Jürgen,
wieder einmal tolle Bilder und eine gute Adresse für meinen nächsten Besuch in München. Muss man sich im Justizministerium zum Fotografieren anmelden oder ist das Gebäude spontan besuch- und fotografierbar?
Deinen kritischen Anmerkungen zur Unabhängigkeit der Justiz kann ich mich voll anschließen. Auch Trump versuchte dieselbe Masche. Allerdings muss man eingestehen, dass es bei uns nicht viel anders ist. Die Partei, die gerade an der Macht ist, versucht bei der Besetzung von Richterstellen stets jene Bewerber in Position zu bringen, deren Denke ins Konzept passt.
Liebe Grüße, Horst
Lieber Horst, vielen Dank für deine Anmerkungen. Stimme voll zu. Du kannst in den Justizpalast zu den üblichen Geschäftszeiten gehen. Die Security läuft ab wie am Flughafen. Die Ausstellung ist permanent geöffnet. Liebe Grüße Jürgen
Lieber Jürgen, zunächst mal ein herzliches Grüß Gott in 2024. Wie immer hast Du eine wunderschöne Bilderserie hier vorgestellt. Danke.
LG Hanne
Liebe Hanne, danke, ich wünsche dir auch in 2024 viel Freude an der Fotografie und bedanke mich für deine Mitarbeit bei unserem Online-Fototalk. LG Jürgen
toller Beitrag und bei einer Gelegenheit würde ich dieses Gebäude auch besuchen !
Lohnt sich unbedingt. Noch ein Tipp: nimm das weitwinklichste Objektiv mit, das du hast. Ich war nicht auf die Dimension dieser Glaskuppel vorbereitet.
Dankeschön für den Tipp
Lieber Jürgen-
Wie immer beeindruckende Fotos und ein guter erklärender Text….allerdings finde ich, dass die Bezeichnung Kammer des Schreckens aus Harry Potter für den Gerichtssaal in dem Mitglieder der Weißen Rose verurteilt wurden nicht ganz passend ist…
Liebe Grüße
Sigi
Hallo Jürgen, mal wieder herzlichen Dank für Deinen informativen Blog zum Justizpalast. Es ist eine unfassbare Schande, wie sich die Justiz damals hat instrumentalisieren lassen.
Ich habe kürzlich einen Artikel gelesen, in dem stand, dass unsere Verfassung mitnichten auf so sicheren Beinen steht, wie man allgemein denkt:
„Die Entmachtung des Bundesverfassungsgerichts könnte sehr viel leichter, schneller und effektiver funktionieren, als gemeinhin bekannt. Es ist möglich, in nur einer Legislaturperiode mit einer einfachen Mehrheit im Bundestag das Grundgesetz zu neutralisieren, und zwar ohne offenen Verfassungsbruch. Ganz legal.
Man denkt, dass man für eine Verfassungsänderung eine Zweidrittelmehrheit braucht. Tatsächlich ist dies nicht so, weil ganz viele technische Details zum Bundesverfassungsgericht in einem einfachen Bundesgesetz geregelt sind, das man mit einfacher Mehrheit ändern kann. Zum Beispiel lässt sich die Zweidrittelmehrheit, die im Moment für die Wahl von Verfassungsrichter*innen in Bundestag und Bundesrat nötig ist, mit einer einfachen Mehrheit im Bundestag abschaffen. Und ebenso kann man einen zusätzlichen 3. Senat in Karlsruhe einrichten und die Zuständigkeitsbereiche im Verfassungsgericht so ändern, dass die politisch heißen Sachen im 3. Senat landen. Wenn man diesen dann zur Hälfte mit den loyalen Gefolgsleuten besetzt, hat man vom Bundesverfassungsgericht kaum mehr etwas zu befürchten.“
Liebe Grüße, Gabi
Hallo Gabi, danke für deine Konkretisierung der Frage, ob wir genügend gewappnet sind, wenn unser Justizsystem gezielt untergraben wird. Leider haben unsere Gründungsväter /-mütter hier nicht ausreichend vorgesorgt und es ist dringender Nachbesserungsbedarf vorhanden angesichts der aktuellen politischen Entwicklung. Liebe Grüße Jürgen