Manchmal bringt einen der Zufall dahin, wo man unerwartet etwas Neues dazulernt. In diesem Fall zum höchsten Bergwerk Europas am Ende des Ridnauntals in Südtirol. Man lernt, dass Migration eine permanente Erscheinung in Europa war und ist, nicht nur in unserer Zeit: frühe Arbeitsmigration.
Erzaufbereitung als Museum
Die schlechte Nachricht zuerst: das Bergbaumuseum ist noch bis April 2025 geschlossen. Man kann also nur sein Äußeres erkunden. Ich besuchte den Teil der Anlage, in dem die Erze aufbereitet wurden, in Meiern/Ridnaun. Es sieht hier gar nicht nach Museum aus, eher so, als hätten die Bergarbeiter erst vor Kurzem ihren Arbeitsplatz verlassen. Die späte Herbstsonne hüllte die Szene in ein freundlich rostbraunes Ganzes.
Bergbau im Hochgebirge
Was am Schneeberg abgebaut wurde waren nacheinander Silber, silberhaltige Bleierze, Kupfererze und schließlich Zinkblende. Der Schneeberg diente seit dem 13. Jahrhundert als Fundstätte für diese früher wertvollen Rohstoffe. Die Erze liegen dort in einer Höhe zwischen 2.000 m und 2.500 m. Manche der Erzadern ragen bis an die Oberfläche, man mußte ihnen „nur“ in den Berg hinein folgen. Die Knappensiedlung lag auf 2.355 m, es herrscht dort oben neun Monate lang Winter. Zu den Hochzeiten im 15. und 16. Jahrhundert wohnten rund 1.000 Bergarbeiter mit ihren Familien dort oben. Es gab eine Kirche, eine Schule sowie ein Krankenhaus. Die Erze wurden über ein 27 km langes Übertageförderband (dem längsten der Welt) vom Passeiertal bis nach Ridnauen und von dort zum Bahnhof Sterzing gebracht. Die am Schneeberg gewonnen Bleierze und Zink wurden zur Herstellung von Silber benötigt, das man in Schwaz in Tirol, dem damals größten Silberbergwerk abbaute. Die unterirdischen Stollen am Schneeberg erstrecken sich über 150 km. Die Förderung endete 1967, weil sich der Abbau nicht mehr lohnte.
Die Fachkräfte kamen von weit her
Für die Bewohner der umliegenden Täler war das Bergwerk ein Glücksfall. Es schaffte Arbeitsplätze für die Landbewohner in der Aufbereitung der Erze, viele davon waren Saisonarbeiter. Qualifizierte, wenn auch gefährliche und harte Arbeitsplätze für die Knappen entstanden. Viele der Fachkräfte kamen aus dem Norden und dem Osten in die Tiroler Bergwerke: frühe Arbeitsmigranten.













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