Seit ein paar Jahren steht im Museum Vogtbauernhof im Schwarzwald das origanalgetreue Wohnhaus einer Winzerfamilie aus Ortenau. Das Besondere befindet sich im Inneren. Retro: Wohnen in den 60ern.
Passend zum Besuch der Retrotankstelle in Kniebis aus den 60er Jahren, kann man sich im nahegelegenen Vogtsbauernhof-Museum eine Wohnung aus den 60ern ansehen, denn dort wurde vor ein paar Jahren das 250 Jahre alte Wohngebäude eines Winzerhofs in Ortenau in das Museum versetzt. Im Inneren trifft man die Wohnsituation an, welche die Älteren unter uns noch aus ihrer Kindheit kennen: die 60er.
Die Küchen sahen überall ähnlich aus
Beim Betreten der Küche kommen bei mir erste Erinnerungen hoch. Auf dem Küchenbuffet steht eine Küchenwaage, deren Betrieb ganz ohne Batterien funktioniert. Daneben die mit einer Schraubzwinge befestigte Brotschneidemaschine – natürlich mit Handbetrieb. Der Kühlschrank ist von Bosch (gab es damals überhaupt andere?), das Röhrenradio von Grundig. Ich erinnere mich an das grüne Auge, das umso klarer leuchtete, je besser der Senderempfang war. Auf dem Küchentisch liegt die obligatorische Wachstuchtischdecke, damit die Resopalplatte geschont wird. An der Wand hängt die Küchenuhr von Junghans, und ich erinnere mich an die häufig gestellte Frage: „Wo ist der Schlüssel zum Aufziehen?“
Baden nur mit vorausplanung
Beim Gang ins Bad wird klar, dass dessen Nutzung eine Frage der Vorausplanung war. Warmes Wasser gab es nur, wenn man vorher anschürte und das Holz bzw. die Kohlen aus dem Keller holte. Im Fenster stehen aufgestapelt die Persilpackungen mit dem damals schon irreführenden Spruch: „Selbsttätiges Waschmittel.“ Das einzige elektrische Gerät war damals eine Schleuder. Die Wäsche selbst wurde noch in der Wanne oder im Bottich gewaschen.
Recycling lief über den Sperrmüll
Das Wohnzimmer der Winzerfamilie fällt üppig aus, zeugt es doch von einem gewissen Wohlstand. So etwas wie ein Harmonium im Zimmer kannte ich als Stadtmensch in den kleinen Wohnungen nicht. Aber erinnern kann ich mich an die grünen Sessel. Wir nahmen sie in den 70ern vom Sperrmüll am Straßenrand mit und stellten sie in die Zimmer unserer Wohngemeinschaften. Uns fehlte als Studenten einfach das Geld für neue Möbel. In meiner Kindheit war auch der Gang zum Psychologen oder Familienberater noch kein Thema, dafür spielten wir zuhause „Mensch ärgere dich nicht“.










Ja, so ein Badezimmer kenne ich. Eine Wanne, ein Ofen, ein Miniwaschbecken, mehr passte nicht hinein. Das bei einer 8-köpfigen Familie! Das im Bild ist dagegen ein Ballsaal. 😉
Die Waage erinnert mich daran, dass mein jüngster Bruder auf einer solchen gewogen wurde. Und genau – so ein Spiel hatte es bestimmt in jedem Haushalt.
Schöne Impressionen, die viel Erinnerung bringen, gewiss nicht nur Romantik…
..grüßt Syntaxia
Danke. Solche Museen, die Gegenstände aus der eigenen Kindheit zeigen, wecken in einem viele verschollene Erinnerungen. Und sie zeigen unseren Kindern und Enkeln, daß es auch ein Leben vor dem Smartphone gab. Liebe Grüße Jürgen