Ein Schloss als Eignungsnachweis

Wenig bekannt und trotzdem einen Besuch wert: die Schlossanlage Schleißheim in Oberschleißheim bei München. Vor allem für Menschen, die Ruhe suchen und die Pracht einer barocken Gartenanlage geniessen möchten. Gedacht war das Schloss als Eignungsnachweis für die Kaiserwürde.

Eine Kopie von Versailles

Es sollte richtig groß ausfallen: Maximilian II. Emanuel (1662-1726), bayerischer Herzog, mochte es nicht kleiner. Er hatte zwar in München die Residenz, daneben das Sommerschloss Nymphenburg, das der Vater der Mutter zu seiner Geburt schenkte, es gab auch schon das Schloß Lustheim und das „Alte“ Schloss in Oberschleißheim. Nein, Max Emanuel wollte groß hinaus, er wollte die deutsche Kaiserkrone und meinte als Eignungsnachweis für seine Bewerbung brauche es ein richtig großes Schloss, am Besten eine Kopie von Versailles.

das liebe Geld

Die Planungen starteten 1696. Mit dem Bau nach Maßgabe des Architekten Enrico Zuccalli wurde 1701 begonnen. Leider mußte der Bauherr wenige Jahre danach ins politische Exil und die Bauarbeiten ruhten. Sie konnten erst fortgesetzt werden, als Max Emanuel 1715 zurückkehrte. Gedacht war eine Vierflügelanlage, errichtet wurde jedoch nur die Ostseite. Der Grund ist einleuchtend: es fehlte das liebe Geld. Da nützte es auch nichts, dass kriegsgefangene Türken die Kanäle für die Schlossanlage und die Verbindung zur Residenz in München aushuben.

Weitgehend nur Einheimischen bekannt

Die Schlossanlage ist den Touristen, die ins rund 20 Kilometer entfernte München kommen, weitgehend unbekannt. Für uns Einheimische hat das einen enormen Vorteil: während sich im Schloß Nymphenburg in München an schönen Wochenenden oder Festtagen wie jetzt an Pfingsten die Massen durch den Park schieben, kann man hier in der Schlossanlage Schleißheim ungestört seine Runden drehen. Vor allem die Wasserspiele geben eine beeindruckende Kulisse ab. Wer möchte, kann vom Neuen Schloss durch das Blumenparterre vorbei an der Kaskade bis zum Schloss Lustheim wandern und legt dabei schon mal 1,5 Kilometer einfach zurück. Dort erwartet den Besucher eine sehenswerte Porzellanausstellung. Wieder zurück, lockt am Alten Schloss ein großer Biergarten mit bayerischen Schmankerln. Es gibt dort sogar „Steckerlfisch“.

2 Gedanken zu “Ein Schloss als Eignungsnachweis


  1. Sehr schön! Das Schloss muss ich unbedingt wieder besuchen. Beim letzten Mal waren die Innenräume und der Biergarten coronabedingt geschlossen. Außerdem möchte ich mir noch die Flugwerft anschauen.


    1. Ja, die Innenräume sind nach langen Jahren der Verwahrlosung wieder hergerichtet. Allerdings fand nie wirklich Leben in diesen Räumen statt, entsprechend seelenlos wirken sie auf mich.

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