Es ist kalt an der Verladerampe der Süddeutschen Zeitung. Heute schneit es sogar. Für die Ausfahrer gibt es glücklicher Weise einen Aufenthaltsraum zum Aufwärmen. Hier treffen wir Cosim Gadau und seine Mitarbeiter.

Sie warten auf den Andruck der Zeitungen und das Signal, an welcher Rampe ihre Zeitungsstapel abzunehmen sind. Dann geht die Fracht zu den Abladestellen in Süddeutschland, von wo aus die Zeitungsausträger am Morgen die Zeitungen für ihren Zustellbezirk abholen.

Cosmin Gadau ist selbständiger Unternehmer. Er kam als gerade mal 18-Jähriger Ende 2006 nach München. Ursprünglich stammt er aus der Nähe von Timisoara (Temeswar), im Westen Rumäniens, wo noch seine Eltern sowie zwei Brüder leben. Mittlerweile hat er mit seiner deutschen Frau sowie der 4-jährigen Tochter seine eigene kleine Familie hier in Deutschland.

Wir erleben ihn als ruhigen und freundlichen jungen Mann, der selbst auch zupackt beim Beladen und nicht den „Chef“ heraushängen lässt. Und er hat genaue Vorstellungen von der Zukunft, wie wir im Gespräch erfahren. Mit Zielen, Wünschen, Träumen, die er beharrlich und mit Ausdauer verfolgt. Seine Lebensgeschichte ähnelt dem Aufbruch in das gelobte Land.

Sein Plan war ursprünglich, in Rumänien Rechtsanwalt zu werden. Das Studium dazu brach er jedoch ab, da es in der Heimat kaum Aussicht auf Arbeit gab.

So entschloss er sich, sein Glück in der Ferne zu suchen. Mit 20 € im Portemonnaie und einem Rucksack kam er schließlich nach München. Für seinen Lebensunterhalt nahm er jede Arbeit an, die sich ihm bot, u.a. auch bei McDonalds. Ebenso war er sich für Putzjobs nicht zu schade. Gleichzeitig hat Cosmin Gadau als angestellter Kurier-/Lieferfahrer begonnen, die Basis zu schaffen für seine Selbstständigkeit.

Seit 2010 ist er nun selbständiger Transportunternehmer, die ersten beiden Jahre als Fahrer und Subunternehmer für bekannte Unternehmen wie DHL, VW, BMW und Bäckereien, überwiegend im Nachtdienst. Mittlerweile verfügt Herr Gadau über weitere Auftraggeber, u.a. auch die Süddeutsche Zeitung. Seine Kunden bedient er mit einen Stamm von rund 16 Fahrern, vom Angestellten über Springer bis zum Subunternehmer. Meistens sind es Freunde, die ebenfalls aus Rumänien, sowie aus Polen und Mazedonien stammen. Deutsche Fahrer arbeiten bei ihm vorwiegend als Minijober, um ihr Einkommen aufzubessern. Wir gewinnen den Eindruck, dass er ein gutes Verhältnis zu seinen Mitarbeitern hat. So erzählt er von gemeinsamen Unternehmungen wie z.B. Grillen, vor allem aber von einer fairen Bezahlung. So bleiben die Leute bei ihm.

Die Nachtarbeit macht ihm nichts aus, im Gegenteil, herrscht zu dieser Zeit doch relativ wenig Verkehr. Das macht das Fahren wesentlich entspannter. Mittlerweile ist er jedoch eher Manager als Fahrer, denn das Geschäft und die Mitarbeiter wollen organisiert werden. Daher erleben wir ihn auch permanent am Mobiltelefon, 24 Stunden erreichbar. Der Erfolg hat seinen Preis und der geht zu Lasten seines Privatlebens. Die Familie kommt zu kurz, es sind ständig Kompromisse nötig. Fünf Jahre lang, in der Aufbauphase, gab es so gut wie keine Freizeit. Nun wird es langsam besser. Es gibt inzwischen mehr Zeit für die Familie. Seine Frau akzeptiert das, ist es doch auch eine Investition in die gemeinsame Zukunft.

Sein größter Wunsch ist es, in absehbarer Zeit ein Haus in der neuen Heimat zu kaufen, für die Familie und die Eltern, um sich auch besser um sie kümmern zu können. So ist es Tradition in seiner Heimat und er fühlt sich verantwortlich, seinen Wohlstand mit ihnen zu teilen.

Fotos: Markus Hetzer, Heinz Schütz, Jürgen Schulze

Über den Autor JGS-Photo

I take photos since more than 50 years. The main interest belongs to street photography and outdoor portraits. People and their behaviour are my favorite themes.

3 Kommentare

  1. bin beeindruckt wie du zu deinen Stories kommst … auch ich hätte die eine oder andere Idee … sei es dokumentarisch oder einfach just for fun … alleine ich trau mich zu wenig auf diese Gelegenheiten zuzugehen … das bewundere ich bei deinen Reportagefotos sehr … !!!

    1. das ist alles viel einfacher als du denkst. Es ist einfach, die Menschen zu überzeugen, sich mittels Fotos und Interview vorzustellen. Sie sind dann nämlich sehr stolz, einmal auf diese Weise ins „Licht“ gestellt zu werden. Komplizierter wird es, wenn du die Genehmigungen der Institutionen brauchst. Das kostet manchmal mehr Zeit und Nerven als die Hauptsache.

      1. … naja … wird wohl noch ein weiter Weg für mich bis ich mir das zutraue … in mir hast jedenfalls einen Fan deiner Reportagen … gerade die vom Nachtdienst finde ich klasse …. wir sind ja so abhängig als Gesellschaft dass es solche Menschen gibt … die gehören endlich ins rechte Licht gerückt … !!

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