Café Wien steht in großen Lettern über dem Eingang eines Hauses aus dem Jahr 1583. Wir treten ein und fühlen uns in einer anderen Welt: Jugendstil? 50er Jahre? Nette rüstige Damen hinter der Kuchentheke und im Service. Ist hier die Zeit stehen geblieben?

Wir sind in Werningerode, im Harz. Wer etwas übrig hat für Fachwerkhäuser und als Urlauber in Corona-Zeiten dem allgemeinen Run auf Nord- und Ostsee entgehen möchte, ist hier richtig. Aber es gibt noch mehr: Geschichten, die das Leben nur hier geschrieben hat. Wir treffen die Cafe-Besitzerin, Frau Marga Siegemund, eine rüstige ältere Dame, die ihren Laden voll im Griff hat. An der Wand entdecken wir einen alten Arbeitsvertrag von 1952, mit dem die damals 19-jährige heutige Besitzerin als Servicekraft angestellt wurde. Wir rechnen nach: dann ist sie ja heute, im Jahr 2020, bereits 87 Jahre alt? Kaum zu glauben, wie sie hier im Café noch alles im Blick hat. Welche Brüche hat sie in ihrem Leben erfahren? Der Famile gehörte das Café bereits, bevor es zu DDR-Zeiten zu einer HO-Gaststätte umgewandelt wurde. Dann wurde sie als Servicekraft angestellt, mit 90 Pfennige Stundenlohn. Nach der Wende 1989 hat die Familie das Café wieder übernommen. Wir kommen mit ihr ins Gespräch, zeigen unsere Hochachtung vor ihrer Lebensleistung, bewundern, wie orginalgetreu das Café erhalten wurde und überhaupt, wie schön der Ort Werningerode heute ist. „Es war auch vorher schön“ gibt sie uns mit auf den Weg. Das sitzt.

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