Ruhig bleiben. Manchmal aber lauter werden.

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Ein echter Münchner. Und schon eine halbe Ewigkeit im öffentlichen Personennahverkehr. Klaus Ernst kam bereits 1985 dazu. Zunächst bei der Straßenbahn, also oberirdisch. Da ist der Stress größer als unter der Erde. Unten, bei den U-Bahnen, sind es v.a. die Passagiere auf die man als Fahrer ein Auge haben muss. Oben sind es noch die anderen Verkehrsteilnehmer. So ging er 1993 als U-Bahnfahrer unter die Erde, was seiner Gesundheit zuträglicher war. „Ich geh nimmer rauf“ sagt er definitiv.Macht ihm der ständige Wechsel von hellem Bahnhof und spärlich beleuchteter Tunnelröhre nichts aus? Nein, meint er. Aber am liebsten sind ihm die langen Strecken. Da vergeht die Zeit schneller und man hat bei manchen Strecken am Ende auch die Chance, ans Tageslicht zu fahren.

Was braucht man, um ein guter U-Bahnfahrer zu werden? Überraschender Weise kommt als erstes die Sprachkenntnis. Ja, in den neuen Zügen gibt es auch automatische Ansagen. In den älteren Modellen spricht der Fahrer noch selbst. Und er muss vor allem die Fahrgäste dazu bringen, zügig einzusteigen und die Türen frei zu geben. „Da muss man ruhig bleiben. Manchmal aber auch lauter werden“ sagt er und grinst über das ganze Gesicht. Und Pünktlichkeit sei wichtig. Der Fahrplan muss eingehalten werden. Manchmal, an der Endhaltestelle, muss er schon mal den einen oder anderen eingeschlafenen Fahrgast mit mehr oder weniger Promille aus dem Zug hinauskomplimentieren.

Schließlich nennt er als Eigenschaft noch „vertrauenswürdig muss man sein“. Als Zuhörer stutzt man zunächst. Vertrauenswürdig? Hat sich einer schon mal Gedanken gemacht, ob er dem U-Bahnfahrer vertraut? Beim Flieger ist das naheliegend. Da schaut man schon mal, was der Kapitän für ein Typ ist. Aber U-Bahnfahrer? Als Klaus Ernst dann darauf hinweist, dass er bis zu 1000 Personen in einem Zug befördert, wird einem das klarer.

Den Job macht er gerne. Auch noch die Jahre bis zur Rente. Ein sicherer Arbeitsplatz, gute Bezahlung und körperlich nicht anstrengend. Aber Konzentration ist gefordert. Was er zum Ausgleich macht? Man könnte fast selbst darauf kommen: viel spazieren gehen an der frischen Luft und bei Tageslicht.

 

 

 

 

 

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