Leipzig im Advent

Der Tipp eines Freundes führte zur Reise ins vorweihnachtliche Leipzig. Nach einer beschaulichen, weil mit viel Haltestellen versehenen  Bahnfahrt (noch vor Einführung des Sprinters) kommt man im weihnachtlich geschmückten Hauptbahnhof an. Er wirkt durch die vielen Lichter noch größstädtischer als in der übrigen Jahreszeit. Der erste Gang entlang der Nikoleistraße führt ins elefantenverzierte und mit Jugendstilelementen versehene alte Kaffeehaus Riquet, noch immer eine Institution für eine gemütliche Kaffeepause. Nach einem Besuch in der Nikoleikirche mit ihren Erinnerungstafeln an die friedliche Revolution 1989 geht es auf den Weihnachtsmarkt, der den Kern der Leipziger Altstadt einnimmt. Die Nähe zu Thüringen (oder vielleicht doch China?) als Herstellungsort zahlloser Krippenfiguren, Schwippbögen und sonstigem Nippes für den weihnachtlichen Zauber ist unverkennbar. Abends dann schlendern durch die herrlich restaurierten Einkaufspassagen und – ein Muß – die deftige sächsische Kost in Auerbachs Keller. Noch zu empfehlen? Ein Gang in die Thomaskirche zu J.S.Bachs Wirkungsstätte und v. a. – wenn Zeit bleibt – ins Museum Grassi, speziell die Abeilung für angewandte Kunst, in dieser Form einmalig in Deutschland und Weltklasse.

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Semana Santa: christlicher Fundamentalismus

 

Mir sind die Bilder von Kapuzenmännern aus den amerikanischen Südstaaten im Kopf, wie sie einer weißen Rassenideologie zur Durchsetzung verhelfen wollen, indem sie Schwarze drangsalieren und martialische Feuerriten pflegen. So vorgeprägt, fällt es schwer, den katholischen Prozessionen zur spanischen Semana Santa etwas Positives abzugewinnen. Auch hier treten Kapuzenmänner und -frauen auf, genannt Nazarenos. Sie sammeln sich in der Kirche und ziehen vor Ostern mit markdurchdringendem Getrommel, einem getragenen Wiegeschritt und häufig sogar barfuß durch die Straßen der Städte. Es sind Bußprozessionen bei denen teilweise lebensgroße Holzfiguren aus der Leidensgeschichte Jesu im Zug mitgeführt werden. Die besonders Bußfertigen tragen diese tonnenschweren Holzplastiken auf ihren Schultern und erhalten dann Applaus seitens der Zuschauer, da sie auf Fahrgestelle verzichten. Die laute Musik, die düsteren Verkleidungen, die Vermummung der Gesichter wirken auf mich als unbedarften Zuschauer am Straßenrand bedrohlich und schauerlich. Hier pflegt eine Religion ihre mittelalterlichen, fundamentalistischen Riten. Auffallend ist, dass der andere Teil der spanischen Gesellschaft davon kaum noch Notiz nimmt und lieber dem Fußballspiel in der Tapas-Bar beiwohnt.

Pictures of  those hooded men in the Southern States of North America as they try to give white racism a break through by bullying black people and celebrating horrible fire rites are coming to my mind. Thus prejudiced it is hard to see anything positive in those Catholic processions during the Spanish Semana Santa. Here too hooded men and women called „Nazarenos“ present themselves. They meet in their church and wander along the streets  in fluctuating steps and often bare foot accompanied by the bloodcurdling sound of drums. These people are celebrating processions of penitence in which life-size wood carved statues from Jesus` passion are shown. Especially strict penitents carry these statues which weigh several tons on their shoulders and are applauded by the lookers-on for abstaining from transporting their load on wheels. To me as a clueless observer the loud music,the covering of faces are threatening and horrifying. Here a religion is celebrating medieval fundamentalistic rites. Strikingly the other half of the Spanish people hardly takes any notice of all this, preferring to watch a football match in the nearest tapas bar.

Oman – die Schweiz Arabiens?

Zunächst ist der Reisende verblüfft. Vierspurige Straßen, nächtliche Beleuchtung bis in die Dörfer, herausgeputzte Einfamilienhäuser mit ummauerten Gärten in den Vororten und eine Hauptstadt blitzblank und strahlend weiß. Wohin man schaut: kein einziger Wolkenkratzer, dafür großteils geschmackvolle Bürogebäude und Shoppingcenter, alles sehr sehr sauber und ordentlich.

Lernt man das Land näher kennen, so fallen erst einmal die in Weiß gekleideten männlichen Omanis auf, die dem Reisenden sehr aufgeschlossen und freundlich begegnen. Auf dem zweiten Blick erst die Frauen, zumeist in schwarz und in der Minderzahl. Na klar, man befindet sich in einem moslemischen Land. Die Frauen sind überwiegend zu Hause. Und hier lernt man dann die Widersprüche kennen. Anders als im benachbarten Saudi Arabien dürfen Frauen Auto fahren, sind nicht gezwungen sich zu verschleiern und stellen sogar die Hälfte der Studenten. Trotzdem ist die Tradition zäh und das Familienbild noch sehr von Stammesdenken und Religion geprägt. Wenn schon nicht der Staat, dann fordert die Tradition ein bestimmtes Verhalten ein.

Und dann sind da die vielen Heinzelmännchen. Überwiegend Inder und Pakistani. Sie stellen fast 40% der Bevölkerung dar. Meist mit befristeten Visa im Land, hausen sie zusammengepfercht in Gemeinschaftsunterkünften und müssen nach Ablauf der Visa das Land wieder verlassen, um sich erneut zu bewerben. Nur eine kleine Oberschicht, insbesondere Inder, die vorwiegend den Handel und den Tourismus beherrschen, haben dauerhaftes Bleiberecht. Die Masse der Inder und Pakistani halten die Läden am laufen, sorgen für das saubere Stadtbild und erledigen alle Dienstleistungen, für die sich ein Omani zu schade ist. Und wenn es ganz heiß wird, wie beim Straßenbau, sind da noch die Nordafrikaner.

Trotz all dessen: man befindet sich auf der Schokoladenseite Arabiens. Das Land hält den Spagat zwischen Moderne und alten Traditionen (noch) aus. Geschmiert wird die Maschine aus dem Ölreichtum. Damit werden auch alle Widersprüche zugekleistert. Jeder erhält etwas aus der Geldquelle, kaum einer muckt auf. Wenn doch, wie zur Zeit des arabischen Frühlings, dann werden eben der Mindestlohn erhöht und ein paar Zehntausend neue Stellen in der überdimensionierten, aber lukrativen Verwaltung geschaffen. Über all dem herrscht seit über 45 Jahren klug und allein der Sultan Qaboos ibn Said. Doch er ist bereits über 70 Jahre alt und schwer krank. Auch die Ölreserven sollen nur noch 10-15 Jahre reichen. Was dann, fragen sich heute schon viele Omanis.

Oman – the arabic Switzerland?

At first the tourist is flabbergasted. Four-lane roads, illuminated at night even in the smallest village, decked out family homes in the suburbs surrounded by walled gardens, and a capital city spick and span and glaring white. Wherever you look not a single high-rise, instead mostly stylish office blocks and shopping centers, all very clean and neat.

If you get to know the country more closely, at first sight the Omani men very open and friendly in their white gowns catch your eye. Only at second sight you notice the women, mostly in black and in a minority. No wonder, you are in a muslim country. Women stay at home. And this is where you begin to realize discrepancies. Other than in neighboring Saudi Arabia women are allowed to drive a car, are not made to wear a veil and even form half of the students. Nevertheless traditions are long lived and the idea of a family is strongly coined by clan traditions and religion. If not the state, it is tradition that demands a certain behaviour.

And then there is the large number of little people, predominantly people from India and Pakistan. They represent almost 40% of the population. Having only limited visas they dwell penned up in shared flats and have to leave the country once their visa has expired only to apply for a new one. Only a small upper class, especially Indians, who predominantly dominate tourism and trade, possess a permanent right of residence. The majority of Indians and Pakistanis keep the shops going, are in charge of a clean city and do all the services, which are a bit too bad for the Omani. And if it gets really hot, like eg in road construction, there are the North Africans.

In spite of all this you find yourself on the buttered side of Arabic life. As for the time being the country can only just master the balancing act between modernism and tradition. Oil keeps the engine going. With it all the discrepancies are patched. Everbody gets a bit out of this money source, hardly anybody protests. In case someone does, as it was the case during the Arabic Spring, minimum wages are raised and some tens of thousands of jobs are created in an oversized but well paid administration.
For more than 45 years all this has been ruled over exclusively by wise Sultan Qaboos Ibn Said. However he is already over 70 years old and is said to be seriously ill. The oil reserves are supposed to run out within the next 10 to 15 years. What will come is the question many Omanis ask themselves.

Venedig – die globalisierte Stadt

Venedig ist auf dem besten Weg zum globalen Freizeitpark. Die Wohnbevölkerung weicht zurück, die Touristen, insbesondere die aus den Kreuzfahrtschiffen, übernehmen die Herrschaft in den engen Gassen Venedigs und machen aus der einst mächtigen Lagunenstadt einen Freizeitpark. Wo früher Bäcker, Metzger und Handwerker ihre Leistungen anboten, befinden sich heute Cafés und Restaurants, Souvenierläden und Hotels. Wohnungen wandeln sich zu Ferienappartements, die Jungen ziehen weg aus der Stadt. In den Straßen und Gassen entsteht eine eigenartige Mischung aus einerseits flanierenden Touristen, für welche die historischen Paläste oft nur hübsches Beiwerk auf den zahllosen Selfis sind. Anderseits sind da die vielen notwendigen Helfer der Tourismusindustrie, die Gondoliere, Kellner und Schiffer, die wirklich alles per Boot in die Stadt rein und wieder raus bringen müssen.
So problematisch sich der Tourismus für die Stadt auch auswirkt, so macht er Venedig doch zu einem bunten Schauplatz aus manchmal genervten, aber stolzen Einheimischen, begnadeten Selbstdarstellern und interessanten Menschen aus aller Welt.

Mehr Streetfotografien als die unten abgebideten sind auf der Seite Venice der Homepage von jgs-photo.com zu finden.

Venice is on the best way of becoming a global theme park. The number of residents is constantly decreasing, while tourists, especially those from cruise liners, take over the rule in the narrow lanes of Venice, thus turning the once so powerful island city into a theme park. Where once bakers, butchers and artisans could be found, there are cafes, restaurants souvenir shops today. Flats are turned into holiday apartments, the young generation are moving out of the city. In the streets there is a peculiar mix of strolling tourists on the one hand, for whom the historical palaces are often but a picturesque add-on for their numerous selfies. On the other hand there are the many necessary helpers of the tourist industry, the gondoliers, waiters and boatmen, who in fact must transport literally everything into and out of town.
Problematic as all this is for the city, it nevertheless turns Venice into a colorful arena, harboring sometimes irritated but always proud natives, especially gifted actors playing themselves, and interesting people from all over the world.

This selection  of Street Photography on the Venice page (Venice) grants a small insight into the diversity of the city´s people mix..

Jerusalem – Stadt der vielen Gesichter

In Jersualem treffen  verschiedene Kulturen und Religionen aufeinander, die auch in den Gesichtern der Menschen dieser Stadt sichtbar werden. Ob orthodoxe Juden, christliche Palästineser, muslimische Araber – die Stadt könnte der Welt zeigen, dass das Zusammenleben auf engstem Raum trotz konfliktreicher Geschichte möglich ist. Was im Alltag oft gelingt, geht in kritischen Situationen jedoch schief. Jede Seite beruft sich dabei auf angestammte Rechte und lebt so überwiegend in der Vergangenheit, statt an einer gemeinsamen Zukunft zu bauen. Nicht wenige sind der ewigen Kämpfe müde geworden und verlassen diese Stadt. Und trotzdem ist Jersualem eine der faszinierendsten Städte auf diesem Globus. Ein Brennglas für die Konflikte unserer Zeit.

Einen kleinen Einblick in die Verschiedenartigkeit der Menschen bietet die Auswahl von Streetfotografien auf der Seite  Jerusalem.

In Jersualem  different cultures and religions meet, which  are visible among others in the faces of the inhabitants of this city. Be it Orthodox Jews, Christian Palestinians, Muslim Arabs – the city could set an example for the world that living together in a confined space is possible despite a history full of conflicts. Living peacefully side by side in everyday life is often successful, but fails in critical situations. Each side insists on inherited rights, thus mainly living in the past, instead of building a common future. Quite a few people grow tired of the never ending struggles and leave the town. Yet, Jersualem is one of the most fascinating cities on this planet. A magnifying glass for the conflicts of our time.

This selection  of Street Photography on the Jerusalem page (Jerusalem) grants a small insight into the diversity of the city´s inhabitants.

 

Kubanische Momente – Moments in Cuba

Die Fotos entstanden während zweier dreiwöchiger Reisen nach Kuba in den Jahren 2015 und 2016, bald 30 Jahre nach meinem ersten Besuch der Insel.
Es handelt sich bei den Fotos um spontane Straßenszenen bzw. Portraits, teils von den Portraitierten unbemerkt, teils mit Wissen des Abgebildeten erstellt.

Die Fotos werden vom 12. 01.- 23.02. 2017 erstmals in einer Ausstellung im Hochhaus des Süddeutschen Verlags in München gezeigt. Für mehr Informationen den Home-Button anklicken: Home

These photos were taken during two trips to Cuba, three weeks each, in 2015 and 2016, almost 30 years after my first visit to the island .
The photos show street scenes and portraits, spontaneously taken, some unnoticed by the persons portrayed, some with their consent.

These photos will be shown for the first time from 12. – 23.02. 2017 in an exhibition in the building of “Süddeutscher Verlag” in Munich . Find  more details, click tho Home-Button: Home

Zwischen Bangen und Hoffen – Between hope and fear

js2_1726_havanna_16_16Welchen Weg wird Kuba einschlagen, welche Auswirkungen hat dies auf die Lebensbedingungen jedes Einzelnen und wie schnell wird das gehen? Kuba im Rückblick auf Che Guevara und amerikanische Oldtimer oder im Blick nach vorne mit mehr persönlichen Freiheiten, aber auch mehr Verantwortung für das eigene Schicksal? Die Gesellschaft ist gespalten, hin und her gerissen zwischen dem Wunsch nach einem besseren Leben und mehr Wohlstand auf der einen und der Angst vor der Ellenbogengesellschaft des Westens auf der anderen Seite. Der Dissens geht quer durch die Familien.

Which way will Cuba take, which impact on the living conditions of each individual will this choice have and how far will this development reach? Will Cubans be looking backwards on the days of Che Guevara and old-time cars or into the future with more individual freedom, but at the same time more responsibility for their own destiny? Society is divided, torn between the desire for a better life in 
prosperity on the one hand and the fear of the elbow society of the Western World on the other hand. Dissent divides families.

Atempause – Time for a snooze

_js18385_kuba_jgs_2015Die Infrastruktur in Havanna wurde mangels Ressourcen und aus politischen Gründen (Dezentralisierung) über Jahrzehnte vernachlässigt. Sie weiterhin einigermaßen intakt zu halten, ist harte Arbeit, für umgerechnet rund 20 Euro im Monat, so viel wie der Preis eines Touristenmenüs.

Due to a lack of resources and for political reasons (decentralization) the infrastructure of Havana has been neglected for decades. Maintaining it reasonably intact is hard work, at an average income of about € 20 a month, the price of a tourist´s meal.

Intensivpflege – Intensive Care

_js18454_kuba_jgs_2015Wenn ein neuer Mittelklassewagen eine Viertelmillion Dollar kostet, Ersatzteile für die Oldtimer wegen der Kuba-Blockade nur im Tausch zu erhalten sind, dann sind Improvisationsvermögen, Ausdauer und intensive Pflege gefragt. Für Touristen sind die Oldtimer samt ihrer Fahrer allemal eine Augenweide.

The price for a new medium-class car amounting to a quarter million dollars, and spare parts for old-time cars only obtainable by bartering, improvisational skills, perseverance and intensive care are required. For tourists, those old-time cars together with their drivers are always a feast for the eye.

Ohne Altersbegrenzung – Without limit of age

js2_1788_havanna_16Fast jeder 5. Kubaner ist heute 60 Jahre alt oder älter. Die durchschnittlichen Renten von ca. 20 Euro pro Monat reichen nicht zum Lebensunterhalt. Frauen sind besonders von Altersarmut betroffen, da sie älter werden als Männer und in jungen Jahren wegen ihrer familiären Aufgaben weniger Rücklagen bilden konnten. Viele Rentner verdienen sich als Kleinhändler etwas hinzu. Dazu kann der Verkauf von Feuerzeugen, gebrannten Erdnüssen oder anderen beliebigen Gegenständen auf der Straße beitragen.

Today, almost every 5th Cuban is 60 years old or even older. The average pension of about € 20 per month is below subsistence level. Particularly women advanced in years are affected by poverty, because they grow older than men do and could save less money due to their former care for their families. Many retirees make some extra money as retailers, selling lighters, roasted peanuts or other arbitrary objects in the streets.

Musik im Blut – It is in their blood

js2_3067_santiago_16_16-bearbeitetSpanien, Westafrika, die USA, Jamaika, Argentinien sind nur einige Länder in denen die kubanische Musik ihre Wurzeln hat. Während für die Touristen Son, Rumba und Salsa eine große Rolle spielen und man manchmal meint, in den 50er Jahren stecken geblieben zu sein, orientiert sich die junge kubanische Musik heute eher am Reggueton. Allen gemeinsam sind jedoch der sichtbare Spaß und die Lebensfreude, die darin zum Ausdruck kommt.

Spain, South Africa, the USA, Jamaica, Argentina are just a few countries Cuban music takes its roots from. While for tourists Son, Rumba and Salsa play a major role and one sometimes feels like 
living back in the 50s, the young Cuban music is now more 
strongly realigning itself on Reggueton. Common to all, however, are the visibly expressed fun and joie de vivre.

Burger Cubano

_js19366_kuba_jgs_2015Kubaner lieben Fastfood, was sich inzwischen auch an den „Rettungsringen“ um die Hüften mancher Cubanos abzeichnet. Allerdings ist das Fastfood hausgemacht, wie hier an einem Stand auf einer Straße in Trinidad. Viel braucht es hierfür nicht: ein Stück gekochter Schinken, Brötchen und ein paar Soßen. Ganz ohne Kühlung.

Cubans love fast food, which is now becoming clearly obvious thanks to the “life belts” around the hips of some of them. However, Cuban fast food is homemade, like in this stall in a street in Trinidad. Few things only are needed: a piece of ham, rolls and a few sauces. All without refrigeration.

Haarscharf – Absolutely accurate

_js18402_kuba_jgs_2015Nicht nur für Fußball-Götter. Hair-styling fasziniert auch junge Kubaner.

Not only for football gods. Hair-
styling is fascinating for young Cuban males as well.

Tigerlilie – Tiger lily

js2_1904_havanna_16Die Klimaverhältnisse sind ideale Bedingungen für das Wachstum der schönsten Blütenpflanzen. Private Märkte sorgen dafür, dass die Blumenhändler von ihren schöpferischen fleuristischen Ideen leben können.

Climatic conditions are ideal for the growth of the most beautifully flowering plants. Private markets ensure, that the florist can live on the profit of his creative ideas.

Schlafenszeit ist später – Bed time is later

js2_2454_santiago_16_16Das Internet ist noch langsam und durch staatliche Zensur sehr eingeschränkt. Trotzdem verfügen erstaunlich viele Kubaner über Smartphones und wissen, wie man an die begehrten nicht frei zugänglichen Informationen kommt.

The Internet is still slow and sharply limited by state censorship. However, a surprisingly large number of Cubans own smartphones and know how to get officially restricted but much desired information.

Workout a la cubana

js2_2689_baracoa_16_16Körperliche Fitness spielt für junge männliche Kubaner eine wichtige Rolle. Fitness-Center sind derzeit stark im Trend. Allein in Havanna existieren inzwischen mehr als 300 Fitnessstudios. Für das Training reichen ein paar Hantelstangen in den noch spärlich ausgestatteten Fitness-Clubs der Provinz.

Physical fitness plays an important role for young male Cubans. Fitness centers are currently much favored. In Havana alone, there are now more than 300 gyms. All you need for exercising in the yet poorly equipped clubs are a couple of barbells.

Kontaktaufnahme – Getting into contact

js2_3190_havanna_16_162015 kamen 3,5 Mio. Touristen nach Kuba, 17% mehr als im Jahr zuvor. Je mehr sich der Tourismus ausbreitet und zur wichtigen Einnahmequelle des Landes wird, um so weniger lässt sich die Kommunikation zwischen Einheimischen und Touristen kontrollieren.

In 2015, 3.5 million tourists came to Cuba, 17% more than the year before. The more tourism grows in numbers, thus constituting an important source of the national income, the less communication between Cubans and tourists can be kept under control.

Mein Platz – My space

js2_3222_havanna_16_16Der Wohnraum insbesondere in der Metropole Havanna, ist knapp und daher begehrt. Viele Behausungen würden in Mitteleuropa nicht als Wohnraum bezeichnet werden. Wegen der Sonneneinstrahlung und der Hitze sind die Innenräume meist verdunkelt. So spielt sich das Leben oft vor den Wohnungen ab und die Türschwelle wird zum Ausguck auf das Leben draußen.

Living space, especially in the metropolis of Havana, is scarce and therefore badly wanted. In Central Europe, many mansions would not be qualified as suited to be lived in. Because of the sun and the high temperatures the rooms are usually dimmed out. So, life is often lived outside the apartments and the threshold serves as a lookout on the limited world.

Black is beautiful

_js19721_kuba_jgs_2015Afrokubaner tragen ihre Hautfarbe mit Stolz. Sofern sie es sich leisten können, wie dieser junge Blumenhändler auf dem privaten Blumenmarkt, wird ins Outfit investiert.

Afro Cubans are proud of their color of skin. If they can afford it, like this young florist on the private flower market obviously can, quite a lot is invested in their outfit.

Perspektivwechsel – Change of perspective

_js19153_kuba_jgs_2015_2Die Inselbevölkerung wuchs dank der hohen Lebenserwartung und der geringen Kindersterblichkeit in der Vergangenheit um rund 1 Million pro Jahrzehnt. Inzwischen geht auch hier die Geburtenrate zurück. Kindern wird von den Erwachsenen in Kuba viel Verständnis entgegengebracht. Die Kleinen sind durchwegs gut gekleidet, insbesondere die Mädchen werden schon früh herausgeputzt. Die Frisuren speziell der afrokubanischen Mädchen sind oftmals kleine Kunstwerke, die diese stolz zur Schau tragen.

Thanks to the high life expectancy and low infant mortality in the past, the island population grew by about 1 million per decade. Meanwhile, the birth rate is declining. In Cuba, children are treated by adults with much understanding. The little ones are all smartly dressed, especially girls are well bedizened at an early age. The hairdo in particular of Afro Cuban girls is often a miniature work of art, proudly worn.

Black & white

_js19787_kuba_jgs_2015Die wenigen Ureinwohner, welche die Spanier bei der Eroberung Kubas vorfanden, wurden ermordet oder starben an den eingeschleppten Krankheiten. Um Arbeitskräfte herbeizuschaffen, wurden von den spanischen Eroberern Sklaven aus Afrika herbeigeschleppt und Kuba zum größten Umschlagplatz für den Sklavenhandel in Mittelamerika gemacht. Heute gibt es kaum ein vergleichbares Land, in welchem Menschen unterschiedlicher Hautfarbe so friedlich miteinander auskommen.

The few natives the Spaniards met when conquering Cuba were murdered or died of diseases introduced into the country. To procure labor force, slaves from Africa were `imported´,and so Cuba became the largest trading center for slaves in Central America under the Spanish conquerors. Today hardly any comparable country in the world can be found, in which people of different color of skin are living together so peacefully.

Aufblicken – Looking up

js2_2337_santiago_16_16Das Geschichtsverständnis der Kubaner ist stark geprägt von den Befreiungskämpfen zunächst gegen die Spanier und dann gegen die Nordamerikaner. José Marti, in Santiago begraben, Poet und Freiheitskämpfer am Ende des 19. Jhdts., wird von vielen Kubanern verehrt. Sein Mausoleum steht in Santiago.
Regelmäßig wird es gereinigt.

Cubans´ view on history is strongly influenced by their struggle for independence, first against the Spaniards and then against the US Americans. José Marti, poet and freedom fighter at the end of the 19th century, buried in Santiago, is still revered by many Cubans.
Regularly, his mausoleum in Santiago is cleaned.

Lenkpause – On the guard

js2_3367_havanna_16_16Wer einen VW-Bully sein eigen nennt, trennt sich auch in der Siesta nicht von ihm.

He who calls a VW Bulli his own, does not leave it alone even during his lunch break.

Helmpflicht – Helmets are compulsory

_js19894_kuba_jgs_2015Die allgemeine Schulpflicht beträgt in Kuba 9 Jahre. Danach kann ab dem 13. Lebensjahr anstelle der Sekundarstufe I eine 3-jährige berufliche Erstausbildung an einer Berufsschule oder Werkstattschule gewählt werden. Bauarbeiter gehören nach der Liberalisierung des Dienstleistungssektors und angesichts des Nachholbedarfs v.a. in der Hauptstadt zu den begehrten Arbeitskräften.

In Cuba, there is a compulsory 9 years´ education. Instead of attending secondary school young people at the age of 13 can choose between a 3-years vocational training at a vocational school or a workshop school. In consequence of a liberalization in public services and with regard to the accumulated needs in the capital city there is a high demand for construction workers.

Anpacken – Get going

_js19941_kuba_jgs_2015Seit 2011 können auch Privatleute Kredite für den Wohnungsbau in Pesos Cubanos aufnehmen. Das subventionierte Baumaterial wird zugeteilt. Gegen Devisen kann Baumaterial ohne Beschränkungen erworben werden. Neu gegründete private Unternehmen nutzen ihre Chancen, indem sie ihre Dienstleistungen anbieten. Der „Große Bruder“ im Norden wird schon mal demonstrativ auf dem Cap zur Schau gestellt.

Since 2011, private persons ,too, have been allowed to take housing loans in Pesos Cubanos. The subsidized building material is assigned. In exchange of foreign currency building materials can be purchased without restrictions. Newly established private enterprises use their opportunities by offering their services. The “Big Brother” in the North is now and then demonstratively shown at the cap.

Diversity

_js19500_kuba_jgs_20152010 übernahm Fidel Castro die persönliche Verantwortung für die Verfolgung von Schwulen in Kuba. Seither hat sich vieles verbessert. Von einer Gleichstellung oder einer größeren Akzeptanz ist die LGBT-Community jedoch noch weit entfernt. Die Mehrheit der Bevölkerung ist weiterhin der Ansicht, dass Homosexualität eine Krankheit ist. In Havanna und in der Universitätsstadt Santa Clara trifft man häufiger auf schwule Paare im Stadtbild.

In 2010, Fidel Castro took on personal responsibility for the persecution of gays in Cuba. Since then, many things have improved. Yet, the LGBT community is still far away from equal treatment or at least greater acceptance. The majority of the population still consider homosexuality a disease. However, both in Havana and in the university city of Santa Clara, gay couples can be seen more often than in the rest of the country.

Unsicher – Not sure

js2_2628_el-cobre_16_16Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht wird vor der Ehe meist nur männlichen Jugendlichen zugestanden. Die Anzahl der Eheschließungen von Teenagern, häufig auf Druck der Familie, ist sehr hoch. Fast gleich hoch ist die Zahl der Scheidungen in dieser Altersgruppe. Alte katholische Normen bezüglich Sexualität, Familie und die Rolle der Frau haben trotz 50 Jahre Sozialismus noch einen großen Einfluss.

Usually, only male adolescents are allowed to gain sexual experience with the opposite sex before marriage. The number of marriages among teenagers, often a consequence of pressure from their families, is very high. Not surprisingly, the number of divorces among this age group is almost equally high. Old Catholic norms regarding sexuality, family and the role of women have a big impact on life despite 50 years of socialism.

Microbrigades

js2_3293_havanna_16_16Microbrigades können sowohl vom Staat / der Verwaltung wie auch privat als Selbsthilfe ins Leben gerufen werden und sind zeitlich befristet. Sie dienen v.a. der Verbesserung der Wohnsituation. Vier der fünf Bauarbeiter im Bild sind „Habaneros“, also in Havanna geboren. Darauf sind sie stolz und zeigen dies mit dem Victory-Handzeichen. Der fünfte stammt aus Santiago. Lokalpatriotismus à la Cubana.

For a limited period of time, so-called micro brigades, may be founded, both by the state / administration and by private people to help them help themselves. Above all, they are supposed to improve the housing situation. Four out of the five construction workers shown above are so called “Habaneros”, born in Havana. They are proud of it and demonstrate their pride by the victory sign. Their fifth colleague comes from Santiago! Local patriotism à la Cuba.

Kesselfleisch – Hotchpotch with pork

js2_2904_baracoa_16_16Am Ortsrand des Provinzstädtchens Baracoa, wo der Übergang in bäuerliche Strukturen sichtbar wird, ist ein Schwein geschlachtet worden und landet im großen Kochtopf, der über einem offenen Feuer brodelt. Die hygienischen Verhältnisse sind mit unseren Standards nicht vergleichbar.

On the outskirts of the small provincial town of Baracoa, where the transition to farming structures becomes visible, a pig is butchered and cooked in a large cauldron 
over an open fire. The hygienic conditions, however, may in no way be compared to our standards.

Fleischbeschau – Testing the meat

_js19681_kuba_jgs_2015Jeder Kubaner hat Anspruch auf eine bestimmte Menge rationierter Lebensmittel. Diese Mengen sind anerkannter Maßen nicht ausreichend. So versorgen sich die Kubaner extra – soweit konvertierbare Währung zur Verfügung steht – auf freien Märkten mit zusätzlichen Lebensmitteln.
Fleisch wird auf offenen Theken ohne Kühlung zum Verkauf angeboten. Als Mitteleuropäer wundert man sich, wie das bei rund 30 Grad Außentemperatur ohne gesundheitliche Beeinträchtigung funktioniert.

Every Cuban is entitled to a certain amount of rationed foods. The rations they get are admittedly recognized as insufficient. Thus, the Cubans supply themselves with additional food- if convertible currency is available – in free markets.
Meat is offered on open counters without refrigeration. As Europeans we wonder how people manage to get on without risks to their health at about 30 degrees outside.

Kanonen zu Schutzpollern – Canons as protective measures

_js19134_kuba_jgs_2015Kuba war über Jahrhunderte der Zankapfel fremder Mächte, ob sie aus Spanien oder aus Nordamerika kamen. Zwischendurch plagten zusätzlich Piratenüberfälle die Inselbewohner. Alte Kanonen aus den jahrhundertelangen Konflikten um die Karibikinsel finden nur noch dekorative Verwendung zum Schutz von Hausecken.

For centuries, Cuba was the apple of discord among foreign powers, may they come from Spain or North America. In addition, the population was plagued by pirate raids in between. Today, old cannons dating from centuries of conflict over the Caribbean island, find decorative use as protective measures for corners of houses.

Frauenpower – Women to the front

_js19834_kuba_jgs_2015Frauen sind in Kuba in der Öffentlichkeit viel präsenter als in anderen mittel- und latein-amerikanischen Ländern. Sie aus den überkommenen bürgerlichen Strukturen zu lösen und ihnen eine gleichberechtigte Rolle in der Gesellschaft zu geben, ist sicher ein wesentlicher Verdienst der Revolutionäre. Das trifft insbesondere auf die afrokubanischen Frauen zu. Heute bringt der Tourismus neue Probleme, die man eigentlich schon überwunden glaubte: die Prostitution ist allerorten präsent.

Cuban women are much more present in public life than in any other Central and Latin American country. Freeing them from the traditional social structures and at the same time granting them an equal role in society, certainly is a major achievement of the revolutionaries. This ,in particular, applies to the Afro-Cuban women. Today, tourism has generated new problems which were thought to be obsolete: among others, e.g. prostitution is present everywhere.

Hilfe von oben – Help from above

js2_2480_el-cobre_16_16-bearbeitetDie Barmherzige Jungfrau von El Cobre wird von vielen Kubanern um Beistand angerufen, wenn wichtige Ereignisse bevorstehen oder Leid gemildert werden soll. Die Wallfahrtskirche geht auf das 17. Jhdt. zurück und enthält zahlreiche Votivgaben, u.a. die Nobelpreismedaille von Ernest Hemingway. Angeblich sollen auch die Angreifer auf die Moncada-Kaserne 1953 vor ihrer Aktion um Beistand in El Cobre nachgesucht haben.

By many Cubans The Merciful Virgin of El Cobre is appealed to for help when important events are imminent or suffering is to be alleviated. The place of pilgrimage dates back to the 17th century and contains numerous votive offerings, among others the Nobel Prize medal awarded to Ernest Hemingway. Allegedly, the revolutionaries, too, called for help in El Cobre before attacking the Moncada Barracks in 1953.

Eigeninitiative – Help yourself

_js19035_kuba_jgs_2015Seit die Revolutionsregierung die Gründung privater Dienstleistungsunternehmen zugelassen hat, entstehen überall privat betriebene Läden und Handwerksbetriebe. Die Preise sind staatlich festgelegt, die Gewinne werden durch Steuern teilweise abgeschöpft. Für die Versorgung der Bevölkerung sind die Privatinitiativen ein Segen.

Since the revolutionary government has authorized the establishment of private service companies, privately operated stores and service companies have been growing in numbers everywhere. Prices are fixed by the state, profits are siphoned off by taxes to a certain extent. For the provisioning of the population these private initiatives are a blessing.

Afrokubaner – Afro-Cubans

_js19888_kuba_jgs_2015Im Dezember 2009 bezeichnete es Präsident Raúl Castro in einer Rede vor dem kubanischen Parlament als „Schande“, dass die Revolution in 50 Jahren den Aufstieg von Afrokubanern und Frauen in gesellschaftliche Führungspositionen nur in unzureichendem Maße erreicht habe. Inzwischen wird das bisherige Tabuthema Rassismus auch öffentlich problematisiert.

In December 2009, in a speech to the Cuban Parliament, President Raúl Castro called it a “disgrace, that in 50 years the revolution has reached the ascent of Afro-Cubans and women into leading positions in social life only to an insufficient extent.“ Meanwhile, the existing taboo topic of racism is discussed in public, too.

Quinceañera – Coming of age

_js19065_kuba_jgs_2015Eltern sparen oft jahrelang, um das 15. Geburtstagsfest ihrer Tochter möglichst aufwändig und unvergesslich auszurichten. Es werden schicke Kleider ausgeliehen, die an die koloniale Vergangenheit anknüpfen und ein Fotograf engagiert um das Fest, oft wichtiger als die Hochzeit, für die Nachwelt zu dokumentieren. Auch fünfzig Jahre Sozialismus haben daran nichts geändert.

In order to celebrate the 15th birthday of their daughter as lavishly and memorably as possible, parents often save their money for years. Fancy dresses, reminding of the colonial past, are borrowed, and a photographer is hired to document the festival, often more important for generations to come than the wedding. Fifty years of socialism have not changed anything at all.


Fotograf und Autor: Jürgen G. Schulze
Englische Übersetzung: 
Siegfried M. Göckel
Mail: juergen.g.schulze@t-online.de
Web:
 https://jgs-photo.com

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