Venedig war auf dem besten Weg zum globalen Freizeitpark. Die Wohnbevölkerung wich zurück, die Touristen, insbesondere die aus den Kreuzfahrtschiffen, übernahmen die Herrschaft in den engen Gassen Venedigs und machten aus der einst mächtigen Lagunenstadt einen Freizeitpark. Wo früher Bäcker, Metzger und Handwerker ihre Leistungen anboten, befinden sich heute Cafés und Restaurants, Souvenierläden und Hotels. Wohnungen wandelten sich zu Ferienappartements, die Jungen zogen weg aus der Stadt. In den Straßen und Gassen entstand eine eigenartige Mischung aus einerseits flanierenden Touristen, für welche die historischen Paläste oft nur hübsches Beiwerk auf den zahllosen Selfis sind. Anderseits waren da die vielen notwendigen Helfer der Tourismusindustrie, die Gondoliere, Kellner und Schiffer, die wirklich alles per Boot in die Stadt rein und wieder raus bringen müssen.

Das ging so lange, bis 2020 Corona kam. Seither ist wieder Platz in Venedig, insbesondere die Kais der Kreuzfahrtschiffe sind verwaist. Wofür viele vorwegend junge Venezianer jahrelang erfolglos stritten, mehr Wert auf einen sanften Tourismus zu legen, das schaffte das Virus quasi über Nacht. Mal sehen, ob Venedig nach dem Ende der Pandemie wieder in die alten Fahrwasser gerät: ein bunter Schauplatz aus manchmal genervten, aber stolzen Einheimischen, begnadeten Selbstdarstellern und interessanten Menschen aus aller Welt.

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