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Zunächst ist der Reisende verblüfft. Vierspurige Straßen, nächtliche Beleuchtung bis in die Dörfer, herausgeputzte Einfamilienhäuser mit ummauerten Gärten in den Vororten und eine Hauptstadt blitzblank und strahlend weiß. Wohin man schaut: kein einziger Wolkenkratzer, dafür großteils geschmackvolle Bürogebäude und Shoppingcenter, alles sehr sehr sauber und ordentlich. Lernt man das Land näher kennen, so fallen erst einmal die in Weiß gekleideten männlichen Omanis auf, die dem Reisenden sehr aufgeschlossen und freundlich begegnen. Auf dem zweiten Blick erst die Frauen, zumeist in schwarz und in der Minderzahl. Na klar, man befindet sich in einem moslemischen Land. Die Frauen sind überwiegend zu Hause. Und hier lernt man dann die Widersprüche kennen. Anders als im benachbarten Saudi Arabien dürfen Frauen Auto fahren, sind nicht gezwungen sich zu verschleiern und stellen sogar die Hälfte der Studenten. Trotzdem ist die Tradition zäh und das Familienbild noch sehr von Stammesdenken und Religion geprägt. Wenn schon nicht der Staat, dann fordert die Tradition ein bestimmtes Verhalten ein.

Und dann sind da die vielen Heinzelmännchen. Überwiegend Inder und Pakistani. Sie stellen fast 40% der Bevölkerung dar. Meist mit befristeten Visa im Land, hausen sie zusammengepfercht in Gemeinschaftsunterkünften und müssen nach Ablauf der Visa das Land wieder verlassen, um sich erneut zu bewerben. Nur eine kleine Oberschicht, insbesondere Inder, die vorwiegend den Handel und den Tourismus beherrschen, haben dauerhaftes Bleiberecht. Die Masse der Inder und Pakistani halten die Läden am laufen, sorgen für das saubere Stadtbild und erledigen alle Dienstleistungen, für die sich ein Omani zu schade ist. Und wenn es ganz heiß wird, wie beim Straßenbau, sind da noch die Nordafrikaner.

Trotz all dessen: man befindet sich auf der Schokoladenseite Arabiens. Das Land hält den Spagat zwischen Moderne und alten Traditionen (noch) aus. Geschmiert wird die Maschine aus dem Ölreichtum. Damit werden auch alle Widersprüche zugekleistert. Jeder erhält etwas aus der Geldquelle, kaum einer muckt auf. Wenn doch, wie zur Zeit des arabischen Frühlings, dann werden eben der Mindestlohn erhöht und ein paar Zehntausend neue Stellen in der überdimensionierten, aber lukrativen Verwaltung geschaffen. Über all dem herrschte bis zu seinem Tod 2010 seit über 45 Jahren klug und allein der Sultan Qaboos ibn Said. Ob sein Nachfolger das halten kann, ist ungewiss. Die Ölreserven sollen nur noch 10-15 Jahre reichen. Was dann, fragen sich heute schon viele Omanis.

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